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Die Kunst des Dialogs

Gedenkschrift für Michael Fischer

Edited By Stephan Kirste, Hanna Maria Kreuzbauer, Ingeborg Schrems, Michaela Strasser and Silvia Traunwieser

Das Buch ist dem am 1. Juni 2014 verstorbenen Salzburger Rechts- und Sozialphilosophen Michael Fischer gewidmet. Die Beiträge würdigen die Person und Bedeutung Michael Fischers und bilden seine wichtigsten Interessensgebiete schwerpunktartig ab. Die Autorinnen und Autoren behandeln dabei ein breites Themenspektrum, das sich von Mozart-Opern über Humanität und Moral bis zu wirtschaftlichen, politischen und rechtsphilosophischen Fragen spannt.

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Der Andere im Dialog (Helmut Kohlenberger)

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Helmut Kohlenberger

Der Andere im Dialog

1.

Daß Sprechen sich nicht monologisch abschließt, sondern auf andere bezieht, ist „an sich“ selbstverständlich – daß Sprechen verpflichtet schon viel weniger. Sokrates stellte seine Mitbürger zu Rede und Antwort, um anstehenden Fragen auf den Grund zu gehen. Er wandte sich gegen die schon damals gängige Praxis sophistisch-rhetorischer Beeinflussung.1 Im Entscheidenden ging es ihm um die allem Wissen überlegene „Sorge um die Seele“. Diese Forderung eines von äußeren Fragestellungen absehenden Umdenkens wird zum prägenden Moment in der Geschichte des Denkens seit der Antike. Zumal in geschichtlichen Wendezeiten zeigt sich die Notwendigkeit einer Prüfung des als selbstverständlich Geltenden, die zum Gespräch, auch zum Dialog als literarischer Gattung drängt. Boethius’ ‚consolatio philosophiae‘ ist berührendes Zeugnis einer imaginären Gesprächssituation in äußerster Bedrängnis, die zum Schlußwort einer Epoche wird. Die Wissensvermittlung im Mittelalter führt zu Abhandlungen in Dialogform, in der der Meister die Schüler behutsam auf den Weg der Einsicht führen will. Gelungene literarische Darstellung wird bei Anselm von Canterbury zum Bild der Stimmigkeit des Gedankengangs. In Petrus Abaelards „Dialog eines Philosophen, eines Juden und eines Christen“ geht es um die rechte intentio, in der wahre Aussagen im Bezug von Tradition und Vernunft erörtert werden sollen. Mit der scholastischen Unterrichtsform wurde der Dialog indes zur formalisierten Leere – Lehre.2 In Form einer „Unterredung“ über den freien Willen stellt sich Erasmus von...

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