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Goethes «Wahlverwandtschaften» im 21. Jahrhundert gelesen

Aagot Vinterbo-Hohr

Goethes Roman «Die Wahlverwandtschaften» geht der Relation von Mensch und Gesellschaft in der Feudalzeit auf den Grund – und stößt nicht nur bei Zeitgenossen auf heftige Kritik. Die Autorin dieses Bandes bricht vom Lager der traditionellen Rezeption auf, indem sie das Leben am Ort der Handlung, einem Adelsgut, anhand reiner Textanalyse durchleuchtet, wobei das im Romangeschehen thematisierte Geflecht der sozialen, militärischen und religiösen Machtstrukturen der Feudalgesellschaft zu Tage tritt. Die durch Symbolik wie durch Form und Eigenart des Erzählstils dargestellten sozialen Verhältnisse und Konflikte werden dadurch freigelegt. Die Erkenntnisse der Untersuchung öffnen Perspektiven auf Struktur- und Alltagsprobleme der globalisierten Gesellschaft der Gegenwart.

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II. Genre, Form und Stil

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II.  Genre, Form und Stil

Enttäuschung über Skandalsüchtigkeit des Publikums und Bitterkeit über die Anwürfe zum Trotz – während der Arbeit mit diesem Roman ist Goethe sich des kontroversiellen Inhalts wohl bewusst gewesen. Die Wahlverwandtschaften ist das einzige Werk Goethes, von dem nur der publizierte Text existiert. Der Autor hat alle Materialien und Entwürfe sorgfältig vernichtet – ein für Goethe ungewöhnliches Verhalten. Clemens Brentanos Reaktion auf den Roman ruft die Bemerkung Diderots zu den Problemen des bürgerlichen Dramas in Erinnerung:

Pour peu que le caractère fût chargé, un spectateur pouvait se dire à lui-méme, ce n’est pas moi. Mais il ne peut se cacher que l’état qu’on joue devant lui, ne soit le sien.1 (Wenn der Charakter übertrieben wäre, könnte der Zuschauer sagen: das bin nicht ich. Aber er muss erkennen, dass die Situation, die gezeigt wird, seine eigene ist.) M. Ü.

1.  Genre des Autors und Genre der Leserschaft

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