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Boccaccios «De mulieribus claris»

Einführung und Handbuch

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Heinz Willi Wittschier

Dieses Handbuch untersucht Boccaccios «De mulieribus claris» umfassend und kann so zeigen, dass sich das Werk über 106 besondere Frauen als «präfeministisch» erweist. Die unterstellte Misogynie Boccaccios ist einer Unkenntnis des lateinischen Originals oder eklektizistischem Umgang mit bloßen Fragmenten geschuldet. Umfassende Analysen von Übersetzungen und Forschungen erhellen jenen Irrtum: Boccaccio hatte, anders als Petrarca, ein bipolares Verständnis vom Menschen und setzte das Weltbild Plutarchs als gemeinsames Agieren von Männern und Frauen humanistisch fort. Vergleichende Blicke auf Christine de Pizans «Cité des Dames» zeigen, dass ein nur von und für Frauen vertretener Feminismus kein ausgewogenes Begreifen der Welt ermöglicht.

Das Handbuch schließt mit einer kommentierten Bibliographie zu Werk, Autor und angrenzenden Themenkreisen.

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7. Siebte Annäherung an De mulieribus claris: Was kam danach? Ein Beispiel: Giovanni Boccaccio (1313–75) und Christine de Pizan (1365 – um 1430). Eine ‘ideale’ Stadt nur für Frauen, ganz ohne Männer!? „Men [or only Women] doing Feminism?“ Über die …

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7. Siebte Annäherung an De mulieribus claris: Was kam danach? Ein Beispiel: Giovanni Boccaccio (1313–75) und Christine de Pizan (1365 – um 1430). Eine ‘ideale’ Stadt nur für Frauen, ganz ohne Männer!? „Men [or only Women] doing Feminism?“ Über die Problematik des unlauteren Verschweigens in der ‘schönen’Literatur.

So ziemlich ans Ende unserer Untersuchung von Giovanni Boccaccios De mulieribus claris angelangt, möchten wir die Einschätzung und ‘Ortsbestimmung’ jener Sammlung von Porträts herausragender Frauen vieler Jahrhunderte und aus Bereichen der Realität sowie unterschiedlicher Phantasiespektren in einer besonderen Weise abschließen, d. h. sie auf den Punkt bringen und dabei historisch würdigen.

Eine ‘Würdigung’ bzw. irgendwie geartete ‘Wertung’ eines Buches über Frauen hat heute automatisch mit ‘Frauen-’ oder ‘Geschlechterforschung’ zu tun. Diese betreiben vorwiegend weibliche Fachleute, und sie ist (leider) unabdingbar ‘gegen’ Männer gerichtet. Nun war aber Boccaccio keine Frau! In der Überschrift dieses Abschnittes schwingt deshalb eine Diskrepanz oder sogar ein Adynaton mit, welches der am Springfield College (Mass.) lehrende Tom Digby einst zum Thema eines Diskussionsbandes (1988; ↗ F xx) machte, auf dessen wissenschaftliche Bedeutung wir gegen Ende dieses Untersuchungsteiles zurückkommen werden. Jedenfalls soll ein entsprechendes, antagonistisches Fragezeichen über den folgenden Analysepartien schweben.

Die Relevanz eines literarischen (wie auch künstlerischen) Werks kann man klarer und konturierter erkennen, wenn dieses intensiv nachgewirkt hat. Im Falle der Einflussnahme und Inspirationskraft von DMC ließen sich nun tatsächlich zahlreiche ähnliche Versammlungen von Biographien (oder Darstellungen)...

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