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Boccaccios «De mulieribus claris»

Einführung und Handbuch

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Heinz Willi Wittschier

Dieses Handbuch untersucht Boccaccios «De mulieribus claris» umfassend und kann so zeigen, dass sich das Werk über 106 besondere Frauen als «präfeministisch» erweist. Die unterstellte Misogynie Boccaccios ist einer Unkenntnis des lateinischen Originals oder eklektizistischem Umgang mit bloßen Fragmenten geschuldet. Umfassende Analysen von Übersetzungen und Forschungen erhellen jenen Irrtum: Boccaccio hatte, anders als Petrarca, ein bipolares Verständnis vom Menschen und setzte das Weltbild Plutarchs als gemeinsames Agieren von Männern und Frauen humanistisch fort. Vergleichende Blicke auf Christine de Pizans «Cité des Dames» zeigen, dass ein nur von und für Frauen vertretener Feminismus kein ausgewogenes Begreifen der Welt ermöglicht.

Das Handbuch schließt mit einer kommentierten Bibliographie zu Werk, Autor und angrenzenden Themenkreisen.

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8. Ein großes Buch nun ganz nah! Schlussbilanz: Ein Schriftsteller wird rehabilitiert! Giovanni Boccaccios De mulieribus claris: „first man doing feminism“. „La réputation que cet ouvrage acquit [est] à l’origine des nombreuses imitations et …

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8. Ein großes Buch nun ganz nah! Schlussbilanz: Ein Schriftsteller wird rehabilitiert! Giovanni Boccaccios De mulieribus claris: „first man doing feminism“. „La réputation que cet ouvrage acquit [est] à l’origine des nombreuses imitations et traductions exécutées dans les différentes langues européennes.“ „The first attempt at female biography in the history of post-classical Western literature.“ Ein ‘mindestens zu 75 %’ positiv und frauenfreundlich ausgerichtetes Meisterwerk.

Giovanni Boccaccios De mulieribus claris möchten wir mit Michelangelos Jüngstem Gericht (1536–41) in der Sixtinischen Kapelle des Vatikans vergleichen. Auf einer sehr großen Fläche sieht man viele Menschen: Hunderte, gute und böse. Jeden einzelnen kann man sich genau anschauen, wenn man sich genug Zeit dazu nimmt. Das gewaltige Fresco zeigt Männer und Frauen. Der Trecento-Literat konzentrierte sich seinerseits in seinem hier untersuchten Defilee auf weibliche Gestalten, obwohl er bei anderer Gelegenheit auch bereits eine ‘Männergalerie’ entwarf. Boccaccio holt alle Frauen aus der Vergangenheit hervor, weckt sie auf, wie das ebenso, auf Gottes Befehl, in jenem monumentalen Wandtableau des Renaissance-Künstlers geschieht. Unser Autor richtet aber nicht, er teilt seine Figuren nicht in Gruppen auf, in Erlöste hier und Verdammte dort: Er zeigt sie einfach nur und überlässt uns letztlich das Urteilen, obwohl er ja auch ab und an moralisierend auftritt. Diese überwiegende Zurückhaltung ist unmittelalterlich, epochengeschichtlich neu, nämlich humanistisch, also am Menschen selbst und nicht an einem autoritären Ordoprinzip ausgerichtet. Jede Figur erhält bei ihm...

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