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Psychologie und Totalitarismus

Die Abwendung vom Humanitätsgedanken in der Psychologie und die Folgen (ca. 1895–1945)

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Susanne Guski-Leinwand

Die große historische und politische Frage: «Wie konnte das geschehen?» erhält auf Basis dieses Buches eine Antwort aus psychologischer Sicht. Die Autorin präsentiert neue Aspekte in der Totalitarismus-Forschung: Sie stellt die Bedeutungen psychologischer Ansätze und ihr Hineinwirken in politische Konzepte bis hin zum Nationalsozialismus dar und analysiert sie in ihren Zusammenhängen. Sie untersucht, bis zu welchem Moment die Psychologie in Deutschland sich dem Humanitätsgedanken verpflichtet sah und wann bzw. wodurch sich dieses änderte. So konnten z. B. ein psychologischer Darwinismus, organisches Denken und antisemitische Positionen Einzug halten. Bisher unbekannte politische Konzepte bedienten sich der Psychologie und umgekehrt, schließlich opferte man den Humanitätsgedanken. Prominente Fachvertreter des 20. Jahrhunderts trugen unterschiedlich stark hierzu bei. Das Buch stellt Konzepte und Beteiligte in ihren zugehörigen Kontexten vor. Ein bisheriger «weißer Fleck» der Geschichte erhält Konturen.

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Einleitung

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Die vorliegende Publikation gründet sich auf die Habilitationsschrift der Autorin, der ein knapp sechsjähriges Forschungsprojekt voranging und welches unter anderem der Entstehung von „wissenschaftlichem Antisemitismus“ (Levinstein, 1896) nachging. Hierbei sollte geklärt werden, ob bzw. wie durch Haltungen und Lehren aus dem Kreis der Psychologie ein Antisemitismus genährt bzw. sich als ein akademischer bzw. „wissenschaftlicher Antisemitismus“ vor bzw. während der Zeit des Nationalsozialismus etabliert hatte bzw. wie sich dieser im Kontext der Psychologie als Disziplin und akademisch-wissenschaftliche Gemeinschaft nachweisen ließ.

Beim Zusammentragen der Ergebnisse aus der mehrjährigen Untersuchungszeit betreffend die Ausgangsfrage um einen möglichen „wissenschaftlichen Antisemitismus“ ging es bei der Erstellung der Habilitationsschrift (Guski-Leinwand, 2013b) sowohl um die Frage nach der Provenienz des Begriffes „wissenschaftlicher Antisemitismus“ als auch um die Frage, wie sich ein solcher mit dem Humanitätsgedanken der Geisteswissenschaften vereinbaren ließ bzw. welchen Stellenwert der Humanitätsgedanke in der frühen Zeit des 20. Jahrhunderts vor dem Hintergrund eines zunehmenden Antisemitismus während der Weimarer Republik in der Psychologie (noch) hatte (vgl. Wundt, 1912b; vgl. Conrad, 1928). Mit diesen Überlegungen war auch die Frage verbunden, inwieweit eine „Psychologie für den Nationalsozialismus“ (Guski-Leinwand, 2007, S. 245; Guski-Leinwand, 2010a, S. 318) sich über das Vernachlässigen des Humanitätsgedankens für eine politische Totalherrschaft und Diktatur als möglicherweise flankierend oder herbeiführend eignete: Humanität war unter dem nationalsozialistischen Regime nicht gewollt. In der Rede vom 30. Januar 1939 drückte Hitler wörtlich aus „Man bleibe uns...

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