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Psychologie und Totalitarismus

Die Abwendung vom Humanitätsgedanken in der Psychologie und die Folgen (ca. 1895–1945)

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Susanne Guski-Leinwand

Die große historische und politische Frage: «Wie konnte das geschehen?» erhält auf Basis dieses Buches eine Antwort aus psychologischer Sicht. Die Autorin präsentiert neue Aspekte in der Totalitarismus-Forschung: Sie stellt die Bedeutungen psychologischer Ansätze und ihr Hineinwirken in politische Konzepte bis hin zum Nationalsozialismus dar und analysiert sie in ihren Zusammenhängen. Sie untersucht, bis zu welchem Moment die Psychologie in Deutschland sich dem Humanitätsgedanken verpflichtet sah und wann bzw. wodurch sich dieses änderte. So konnten z. B. ein psychologischer Darwinismus, organisches Denken und antisemitische Positionen Einzug halten. Bisher unbekannte politische Konzepte bedienten sich der Psychologie und umgekehrt, schließlich opferte man den Humanitätsgedanken. Prominente Fachvertreter des 20. Jahrhunderts trugen unterschiedlich stark hierzu bei. Das Buch stellt Konzepte und Beteiligte in ihren zugehörigen Kontexten vor. Ein bisheriger «weißer Fleck» der Geschichte erhält Konturen.

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3. „Wissenschaftlicher Antisemitismus“: Abriss zu seiner Begriffsgenese und zu seinen Ausprägungen im 20. Jahrhundert

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3. „Wissenschaftlicher Antisemitismus“: Abriss zu seiner Begriffsgenese und zu seinen Ausprägungen im 20. Jahrhundert

Die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit ist, paradigmatische Veränderungen in der Psychologie und deren Folgen u. a. für wissenschaftlichen Antisemitismus und für Totalitarismus heraus zu arbeiten.

Bereits in einer früheren Untersuchungen zur Genese der Psychologie wurde gezeigt, dass in der NS-Zeit von einem wissenschaftlichen Antisemitismus gesprochen wurde, der in Deutschland „erfunden“ worden sein sollte (vgl. Guski-Leinwand, 2007, 169; Guski-Leinwand, 2010a, S. 209 ff.). Für die vorliegende Arbeit wurde diesem Ergebnis vertiefend nachgegangen, indem die Entstehungsgeschichte um den Begriff eines „wisssenschaftlichen Antisemitismus“ untersucht und in ihren Auswirkungen bzw. ihrem Verlauf erfasst wurde. Das vorliegende Kapitel gibt die Ergebnisse dieser Untersuchung wieder, um schließlich auch den bereits im Zusammenhang mit dem XIII. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychologie 1933 diskutierten wissenschaftlichen Antisemitismus als Manifestation einer paradigmatischen Veränderung zu reflektieren. Verschiedene Ausprägungen eines wissenschaftlichen Antisemitismus wurden bereits in einer früheren Untersuchung innerhalb der akademischen Kreise der Psychologie nachgewiesen (Guski-Leinwand, 2007, S. 169 ff.; Guski-Leinwand, 2010a, S. 210 ff.). In verschiedenen Arbeiten wurden letztlich Anteile eines wissenschaftlichen Antisemitismus in Verbindung mit der Zweiten Leipziger Schule dokumentiert (Lück, 2013, S. 93). Diese sollen im Verlauf des vorliegenden Kapitels präzisiert werden.

Wie im Verlauf der vorangegangenen Kapitel dargestellt, erstarkte die organische Denkweise und mit ihr die völkische Bewegung in Deutschland. Der Begriff Ganzheit wurde in ihren Reihen zum Kampfbegriff: Besonders der von Alfred...

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