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Psychologie und Totalitarismus

Die Abwendung vom Humanitätsgedanken in der Psychologie und die Folgen (ca. 1895–1945)

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Susanne Guski-Leinwand

Die große historische und politische Frage: «Wie konnte das geschehen?» erhält auf Basis dieses Buches eine Antwort aus psychologischer Sicht. Die Autorin präsentiert neue Aspekte in der Totalitarismus-Forschung: Sie stellt die Bedeutungen psychologischer Ansätze und ihr Hineinwirken in politische Konzepte bis hin zum Nationalsozialismus dar und analysiert sie in ihren Zusammenhängen. Sie untersucht, bis zu welchem Moment die Psychologie in Deutschland sich dem Humanitätsgedanken verpflichtet sah und wann bzw. wodurch sich dieses änderte. So konnten z. B. ein psychologischer Darwinismus, organisches Denken und antisemitische Positionen Einzug halten. Bisher unbekannte politische Konzepte bedienten sich der Psychologie und umgekehrt, schließlich opferte man den Humanitätsgedanken. Prominente Fachvertreter des 20. Jahrhunderts trugen unterschiedlich stark hierzu bei. Das Buch stellt Konzepte und Beteiligte in ihren zugehörigen Kontexten vor. Ein bisheriger «weißer Fleck» der Geschichte erhält Konturen.

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4. Kurzer Abriss zur Deszendenztheorie und den Folgen ihres Transfers in die Geisteswissenschaften

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4. Kurzer Abriss zur Deszendenztheorie und den Folgen ihres Transfers in die Geisteswissenschaften

Eine erste Abstammungstheorie als Entwicklungstheorie, d. h. ‚Deszendenztheorie‘ wurde von Jean Baptiste de Lamarck gegen Ende des 18. Jahrhunderts bzw. zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Frankreich veröffentlicht. Sie erfuhr jedoch erst mit der Übersetzung ins Deutsche durch Arnold Lang als „Zoologische Philosophie“ auch hier zu Lande Aufmerksamkeit (vgl. Stuhlhofer, 1988)173. Lamarck’s Deszendenztheorie war aufgrund seiner Erkenntnisse über Fossilien-Untersuchungen entstanden. Die Kernaussagen seiner Deszendenztheorie waren, dass neue Arten sich aus bereits bestehenden Arten entwickeln und Veränderungen der allgemeinen Lebensverhältnisse der Tiere durch die Umwelt und durch eigene veränderte Bedürfnisse der Tiere zu Stande kommen. Somit wurde die Lamarcksche Deszendenztheorie bezogen auf die körperliche Betrachtung, welche dann Rückschlüsse über Vererbung mit sich brachte. Außerdem konstatierte er, dass bei der Fortpflanzung das gleiche Erbgut unabhängig vom Verhalten des Individuums weitergegeben wird. Mutationen berücksichtigte seine Theorie nicht.

Etwas anders verhielt es sich in der Evolutionstheorie bei Charles Darwin: Als dieser 1859 „On the Origin of Species by Means of Natural Selection“ und wenige Jahre später „The Variation of Animals and Plants under Domestication“ veröffentlichte, verhalf er den Naturwissenschaften zu einem Stufendenken in der Entwicklung und brachte den Naturwissenschaften eine grundsätzliche Systematik. In Deutschland erschien erstmals 1875 eine Gesamtausgabe von Darwins Werken und ein Jahr später auch die erste Übersetzung der Lamarckschen Deszendenztheorie (Lang, 1876). Inwieweit der ab dem Ende des...

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