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Psychologie und Totalitarismus

Die Abwendung vom Humanitätsgedanken in der Psychologie und die Folgen (ca. 1895–1945)

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Susanne Guski-Leinwand

Die große historische und politische Frage: «Wie konnte das geschehen?» erhält auf Basis dieses Buches eine Antwort aus psychologischer Sicht. Die Autorin präsentiert neue Aspekte in der Totalitarismus-Forschung: Sie stellt die Bedeutungen psychologischer Ansätze und ihr Hineinwirken in politische Konzepte bis hin zum Nationalsozialismus dar und analysiert sie in ihren Zusammenhängen. Sie untersucht, bis zu welchem Moment die Psychologie in Deutschland sich dem Humanitätsgedanken verpflichtet sah und wann bzw. wodurch sich dieses änderte. So konnten z. B. ein psychologischer Darwinismus, organisches Denken und antisemitische Positionen Einzug halten. Bisher unbekannte politische Konzepte bedienten sich der Psychologie und umgekehrt, schließlich opferte man den Humanitätsgedanken. Prominente Fachvertreter des 20. Jahrhunderts trugen unterschiedlich stark hierzu bei. Das Buch stellt Konzepte und Beteiligte in ihren zugehörigen Kontexten vor. Ein bisheriger «weißer Fleck» der Geschichte erhält Konturen.

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8. Humanität als „zusätzliche Bedingung“, oder: Was die Geschichte der Psychologie ihrer Disziplin noch schuldig ist

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8. Humanität als „zusätzliche Bedingung“, oder: Was die Geschichte der Psychologie ihrer Disziplin noch schuldig ist

Schaut man auf die Ergebnisse der vorliegenden Publikation und stellt sich gedanklich dem Abgleich zur heutigen Psychologie in Deutschland, ist die grundsätzlich humanistische Orientierung nicht in Frage zu stellen, das zeigen schon die Ethischen Richtlinien für Psychologinnen und Psychologen, welche der BDP und die DGPs (2004/2005) gemeinsam verabschiedet haben. Doch gilt es vor dem Hintergrund der Geschichte, sich die Verpflichtung zur Humanität besonders für die Psychologie in Deutschland vor Augen zu halten und unter diesem Aspekt über ihre Identität, im Sinne einer Disziplin-Identität, nachzudenken: Als Hermann Ebbinghaus 1907 erstmals formulierte, dass die Psychologie eine lange Vergangenheit, aber nur eine kurze Geschichte habe, reflektierte er ähnlich wie Friedrich Schiller 1789 die Zustände um das Zustandekommen von Geschichte an sich bzw. speziell das Zustandekommen von Geschichte der Psychologie. Dies fasste Ebbinghaus bereits im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts so zusammen:

„Ein wie seltsam verworrenes Wesen ist doch der Mensch nach der volkstümlichen und leider oft nicht bloß volkstümlichen Vorstellung. (…) Sein Denken betätigt sich in Vorstellungen, die nach bestimmten Gesetzen kommen und gehen. Allein zugleich sitzt er nochmal in sich selbst, als kleiner Mensch in dem großen Menschen, und vermag nun mit souveräner Außerachtlassung jener Gesetzmäßigkeit völlig beliebig in die Vorstellungen einzugreifen, sich ihnen zuzuwenden, von ihnen abzuwenden, sie zu suchen, wenn sie verloren gegangen sind,...

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