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Anerkennung und die Möglichkeiten der Gabe

Literaturwissenschaftliche Beiträge

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Edited By Martin Baisch

Dieser Band versammelt die Beiträge einer interdisziplinären Tagung an der Universität Hamburg. Die Autoren und Autorinnen erproben das Konzept der «Anerkennung» (Honneth, Bedorf) als Analyseinstrument sozialer Interaktionen für die Literatur des Mittelalters und der Neuzeit. Die Lektüren reichen von der höfischen und geistlichen Literatur der Vormoderne über das 19. und 20. Jahrhundert bis zur Literatur der Gegenwart (Tawada, Khider). Angeregt durch die Forschungen von Hénaff und Ricœur, beziehen sie zugleich die Begriffe von Anerkennung und Gabe im Feld der Literatur aufeinander. Untersucht werden die performativen Funktionen von Gabehandlungen ebenso wie die Zeichenhaftigkeit von Gaben und das Verhältnis von Gabe und Zeitformen beziehungsweise -inszenierungen.

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(V)Erkennen und Anerkennen in Wolframs Parzival (Coralie Rippl)

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Coralie Rippl, Zürich

(V)Erkennen und Anerkennen in Wolframs Parzival

Abstract: In this article, a new approach to the character Parzival is applied. How the identity of Parzival is constructed is analyzed using recognition patterns for Parzival stated by other characters over the course of the story. Amongst other things it is revealed how the Gawan episodes artfully draw the reader’s attention and sympathy towards the absent Parzival character (ritter rôt); this is mainly achieved through the authority of Gawan as a protagonist.

I. Wahrnehmen, (An)Erkennen und das Problem der Figurenidentität

Die Themen ‚Erkennen‘ und ‚Wahrnehmung‘ sind für Wolframs Parzival schon vielfach untersucht, sie führen die Forschung jedoch immer schnell zur Hauptfrage einer ‚Entwicklung‘ Parzivals durch den Roman hindurch.1 Der Begriff der Entwicklung, aufgeladen mit modernen Implikationen von Individualität2 und←197 | 198→ Subjektivität,3 zielt dabei ins Zentrum all jener Schwierigkeiten, mit denen sich die narratologisch interessierte literaturwissenschaftliche Analyse von Figuren mittelalterlicher Erzählungen auseinandersetzen muss.4 Es mag auf divergierende Auffassungen vom Konzept einer erzählten Figur zurückzuführen sein, dass Parzival in der Forschung ganz unterschiedlich betrachtet wurde und wird: Während die ältere Forschung Parzivals Aufenthalt bei Trevrizent im neunten Buch als Dreh- und Angelpunkt des Werkes ansieht,5 markiert Joachim Bumke Munsalvaesche als „entscheidende Wende auf seinem Weg“ und spricht Parzival eine visionäre Selbst- und Gotteserkenntnis in der Blutstropfenszene zu, von der an „Parzivals Leben eine neue Richtung“ nehme.6...

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