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Anerkennung und die Möglichkeiten der Gabe

Literaturwissenschaftliche Beiträge

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Edited By Martin Baisch

Dieser Band versammelt die Beiträge einer interdisziplinären Tagung an der Universität Hamburg. Die Autoren und Autorinnen erproben das Konzept der «Anerkennung» (Honneth, Bedorf) als Analyseinstrument sozialer Interaktionen für die Literatur des Mittelalters und der Neuzeit. Die Lektüren reichen von der höfischen und geistlichen Literatur der Vormoderne über das 19. und 20. Jahrhundert bis zur Literatur der Gegenwart (Tawada, Khider). Angeregt durch die Forschungen von Hénaff und Ricœur, beziehen sie zugleich die Begriffe von Anerkennung und Gabe im Feld der Literatur aufeinander. Untersucht werden die performativen Funktionen von Gabehandlungen ebenso wie die Zeichenhaftigkeit von Gaben und das Verhältnis von Gabe und Zeitformen beziehungsweise -inszenierungen.

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Gabe, Tausch und êre in der Alexiuslegende (Margreth Egidi)

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Margreth Egidi, Paderborn

Gabe, Tausch und êre in der Alexiuslegende

Abstract: This paper aims at transferring the aporetic structure of Derrida’s concept of ‘gift’ to the analysis of various versions of the Middle High German Alexius legend. It argues for the entanglement of a ‘simple’ economic logic (gift exchange), a ‘higher’ economic logic and a ‘non-economic logic’ concerning the relation between god, the saint and the faithful. Crucial aspects in this respect are the self-denial of the saint as a gift and different circulations of êre as a complex concept which embraces transcendence and immanence.

Askese umfasst in vormodernen religiösen Texten in der Regel Dimensionen der Negation wie freiwillige Armut, Verzicht, Enthaltsamkeit und Verneinung des eigenen Willens als Aspekte umfassender asketischer Selbst- und Weltverneinung.1 Die asketische ‚Leistung‘, von der die Alexiuslegende erzählt,2 geht darüber hinaus←353 | 354→ und zielt auf eine besondere Variante der heiligmäßigen Selbstverleugnung mit konstitutivem Doppelbezug: Sowohl seine soziale Herkunftsidentität verbirgt und verleugnet der Heilige als auch – und das ist entscheidend – diese Form der Negation selbst.

Die spezifische Dimension der Selbstverleugnung des Heiligen fasse ich mit dem Begriff der Gabe. Ferner wird es um die dem Heiligen, seiner asketischen Leistung und seiner Heiligkeit zukommende êre gehen. Unterschiede zwischen den z. T. sehr differierenden Versionen der Alexiuslegende des 13. bis 15. Jahrhunderts werden gelegentlich berücksichtigt, jedoch nicht systematisch untersucht.3 Ich beginne mit einleitenden Bemerkungen zur Gabendiskussion.

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