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Nostalgie / Nostalgia

Imaginierte Zeit-Räume in globalen Medienkulturen / Imagined Time-Spaces in Global Media Cultures

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Sabine Sielke

Nostalgie boomt – als kulturelles Phänomen wie als Forschungsgegenstand. Was aber ist und wie wirkt Nostalgie? Dieses Buch zeigt auf, wie Nostalgie die Zeit anzuhalten sucht und unsere Wahrnehmung steuert. Eng verknüpft mit dem Aufkommen neuer Medientechnologien und Prozessen des Konsums schaffen Nostalgie und Retro imaginierte Zeit-Räume, die Vergangenes neu erfinden und sich Zukünftigem öffnen.

Nostalgia booms – both as cultural phenomenon and as research object. Yet what is nostalgia, and how does it work? This book shows how nostalgia aims at arresting time and channels our perception. Inextricably entwined with the rise of new media technologies and processes of consumption, nostalgia and retro create imagined time-spaces which reinvent the past and face the future.

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Nostalgie – ‚die Theorie‘: eine Einleitung (Sabine Sielke)

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Sabine Sielke

Nostalgie – ‚die Theorie‘: eine Einleitung

Nostalgia isn’t what it used to be.1

Nostalgie ist ein Phänomen der Moderne, das – ähnlich wie Kitsch – keinen guten Ruf und dennoch seit einiger Zeit wieder Hochkonjunktur hat. Erstmals 1688 durch den Arzt Johannes Hofer als pathologisches Heimweh beschrieben, das bei Schweizerischen Söldnern zum Tode führe, boomt Nostalgie aktuell allerorten – als Diskurs und kulturelles Phänomen wie als Gegenstand der Forschung. Der Begriff bezeichnet dabei, zumeist recht unscharf, mal ein Terrain mit Erinnerungswert – „Das Freibad ist […] ein Ort der Nostalgie“, war kürzlich in einer Kolumne der Wochenzeitschrift DIE ZEIT lesen (Jessen) –, mal einen rückwärtsgewandten Politikstil, der Donald Trumps „economics of nostalgia“ (Irwin) ebenso zu kennzeichnen scheint wie Tendenzen xenophober Rhetorik in Europa und nationale Alleingänge namens BREXIT. Zumeist umschreibt Nostalgie die unbestimmte Sehnsucht nach einer Zeit, in der vermeintlich alles noch klar und übersichtlich war – eine Zeit, so ist sich die Forschung weitgehend einig, die so nie war.

Grundsätzlich jedoch fehlt es dem proliferierenden Forschungsfeld ‚Nostalgie‘ an Einigkeit in fundamentalen Fragen: Was Nostalgie eigentlich ist, wie sie ‚funktioniert‘ und welche kulturellen Effekte sie bewirkt, kann trotz der vielen rezenten Publikationen zum Thema noch nicht so recht beantwortet werden. Auch eine „Geschichte der Nostalgie“, die der Soziologe Richard Sennett bereits 1977 angemahnt hat, muss noch geschrieben werden.2 Gleiches gilt für die Geschichte←9 | 10→ des Begriffs Nostalgie, der in einem breiten, konzeptuell jedoch wenig konzisen Forschungsfeld bislang...

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