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Religion und Politik

Historische und aktuelle Konstellationen eines spannungsvollen Geflechts

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Edited By Jörg Dierken and Dirk Evers

Religion und Politik bilden seit jeher ein spannungsvolles Geflecht wechselseitiger Begründungs- und Abgrenzungsprozesse. Die in diesem Band versammelten Autoren beleuchten historische und aktuelle Konstellationen dieser Prozesse durch die Verschränkung von systematischen und historischen Perspektiven. So reicht die Spannweite der Beiträge von der Frühzeit des Christentums über die Reformation bis hin zu Schelling, Schleiermacher, Troeltsch und Barth, während gleichzeitig aktuelle Debatten u.a. zur Theologie in der DDR, zur Bedeutung der Menschenrechte, zum Konzept der inneren Führung und zur Flüchtlingsdebatte kritisch nachgezeichnet werden.

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Regieren als Beruf: Martin Luther und die Obrigkeit

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Martin Ohst

Regieren als Beruf

Martin Luther und die Obrigkeit1

Abstract In this essay, Martin Luther’s appreciation of secular authority is highlighted on its historical background. In Christian Antiquity and in the Middle Ages, ascetic values prevailed in Christian ethos. Like the begetting and raising of children, the tasks of secular authorities raised apprehensions, as they were thought to be abundant of occasions for sinning and positively dangerous for a Christian’s eternal welfare. On the contrary, “good works” in the spheres of cult and charity were regarded as specifically meritorious. In his novel determination of the essence of Christian faith and life, Luther eliminated the concept of merit and forthwith rendered an unprecedented esteem to all the varieties of human work before regarded as “merely natural” – including the execution of secular authority.

Luther und die Obrigkeit – das ist so ein Thema, zu dem „man“ gemeinhin ziemlich viel weiß. Zunächst: Man weiß, um es mit Heinrich v. Treitschke zu sagen, dass Luther die Sphäre weltlicher Herrschaft „für mündig erklärt“2, also klerikaler Beeinflussung und Steuerung weltlich-politischen Handelns vehement entgegengewirkt hat. Sodann: Man weiß, dass Luther auch dem Bereich, in dem weltliche Obrigkeit schaltet und waltet, Grenzen hat setzen wollen. Hier ist allerdings der Irrtum weit verbreitet, Luther habe in der Folge der mittelalterlichen Abgrenzungsstreitigkeiten zwischen regnum und sacerdotium bzw. im Vorgriff auf neuzeitliche Zuordnungsprobleme von Staat und Kirche Grenzen zwischen Institutionen ziehen wollen. Nein, die verfasste Kirche als...

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