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Religion und Politik

Historische und aktuelle Konstellationen eines spannungsvollen Geflechts

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Jörg Dierken and Dirk Evers

Religion und Politik bilden seit jeher ein spannungsvolles Geflecht wechselseitiger Begründungs- und Abgrenzungsprozesse. Die in diesem Band versammelten Autoren beleuchten historische und aktuelle Konstellationen dieser Prozesse durch die Verschränkung von systematischen und historischen Perspektiven. So reicht die Spannweite der Beiträge von der Frühzeit des Christentums über die Reformation bis hin zu Schelling, Schleiermacher, Troeltsch und Barth, während gleichzeitig aktuelle Debatten u.a. zur Theologie in der DDR, zur Bedeutung der Menschenrechte, zum Konzept der inneren Führung und zur Flüchtlingsdebatte kritisch nachgezeichnet werden.

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Vorwort

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Religion und Politik bilden seit jeher ein spannungsvolles Geflecht wechselseitiger Begründungs- und Abgrenzungsprozesse. Für das Christentum sind dabei einerseits grundlegende Formen der Differenzierung zwischen beiden Sphären charakteristisch. Dafür stehen exemplarisch die klassischen Denkmuster von Paulus über Augustin bis zur reformatorischen Zwei-Reiche/Regimenter-Lehre und deren Transformationen in der Moderne. Zu deren wirkungsgeschichtlichem Umkreis gehört auch das moderne Konzept eines weltanschaulich neutralen Staates, der neben der negativen auch die positive Religionsfreiheit schützt und den Kirchen eine bedeutende Stellung in der Öffentlichkeit zuerkennt, ohne daraus seine eigene Legitimität abzuleiten. Andererseits gibt es in der Geschichte des Christentums bedeutende Muster von (hierarchischer) Legitimierung, Einhegung und Kritik der politischen Macht. Die politische Gewalt und ihre Repräsentanten unterstehen danach Gott, ihr Handeln ist an seiner Ordnung zu messen, und diese kann zur Quelle harter Kritik und Opposition werden. Auch hierfür lassen sich klassische Belege aus der biblischen Tradition sowie der Kirchen- und Theologiegeschichte nennen. Gott mehr gehorchen zu müssen als den Menschen, eine höhere Gerechtigkeit gegenüber der von irdischen Herrschern ausgeübten einzuklagen und hiergegen im Grenzfall durch Kirchen und christliche Gruppen aufzubegehren gehört ebenfalls in den Radius der Christentumsgeschichte. Beide Linien, die der Differenzierung wie die der (kritischen) Hierarchisierung von Religion und Politik, lassen sich nicht einfach voneinander absondern. Sie sind vielmehr miteinander verflochten, teils bis zur Unkenntlichkeit. So kann die vielfach kritisch gemeinte Hierarchisierung von Gott und Obrigkeit zum Begründungsmuster für Ansprüche der Geistlichkeit auf weltliche Gewalt...

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