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Medizin im Konzentrationslager Flossenbürg 1938 bis 1945

Biografische Annäherungen an Täter, Opfer und Tatbestände

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Jessica Tannenbaum

Die Quellenstudie liefert einen Beitrag zur Medizingeschichte des KZ Flossenbürg. Durch die über 1945 hinausgehende Perspektive kann die Autorin in Übereinstimmung mit der aktuellen Täterforschung deutlich machen, wie Justiz und Standesvertretungen in der Nachkriegszeit mit den ärztlichen Tätern umgingen. Da das KZ Flossenbürg im Nürnberger Ärzteprozess keine Rolle spielte, hat dies die Einschätzung der medizinischen NS-Verbrechen an diesem Ort grundsätzlich verzerrt. Die Autorin zeigt, wie die Lagerärzte durch ein Netzwerk miteinander verknüpft waren und sich gegenseitig hilfreiche Dokumente sowohl während des 2. Weltkrieges als auch danach ausstellten. Am Sonderfall des Chirurgen H. Schmitz stellt sie dar, wie viele SS-Ärzte sich den juristischen Konsequenzen in Bezug auf das Lager Flossenbürg entziehen konnten.

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2. Das Personal

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2. Das Personal

Zwischen 1938 und 1945 waren mindestens 22 Ärzte und sieben Dentisten (Zahntechniker) beziehungsweise Zahnärzte im Lager Flossenbürg stationiert. Für die Ärzte Blaschke, Meinck und Richter konnten die Stationierungszeiten nicht zweifelsfrei belegt werden, so dass ihre Darstellung entfällt. Mindestens zwei Unterschriften in den Originalquellen konnten nicht identifiziert werden, so dass die tatsächliche Anzahl der in Flossenbürg stationierten SS-Ärzte auf mindestens 34 geschätzt werden muss.

Von den hier vorgestellten 29 Männern waren bis auf einen (zu Schmitz siehe Kapitel 2.3) alle Mitglieder der SS. In der Position des Lagerarztes hatten sie die Verantwortung für die Betreuung der Gefangenen im Häftlingskrankenbau (HKB, auch Krankenbaracke oder Revier) inne, der übergeordnete Standortarzt übernahm vor allem die medizinische Betreuung der SS-Männer im SS-Truppenrevier, aber auch der Zivilbevölkerung. Der Standortarzt war dem Lagerkommandanten nur in militärischen Belangen unterstellt. In medizinischen Fragen unterstand er direkt Amt D III im Wirtschaftsverwaltungshauptamt (WVHA) in Berlin-Oranienburg (bis 1942 Inspektion der Konzentrationslager IKL).

Das Häftlingsrevier war erst ab 1941 mit einer Zahnstation ausgestattet. Vor diesem Datum wurde ein Gefangener, der Zahnprobleme hatte, soweit ihm dies gestattet wurde, in der SS-Zahnstation vorgestellt. Die Apotheke befand sich ebenfalls im SS-Teil des Lagers, hier war zuletzt Walter Reupsch, ein nicht als Apotheker ausgebildeter Mann, eingesetzt.

Im Folgenden sollen die Biografien dieser 29 Ärzte skizziert werden. Der Fokus liegt dabei auf einer zusammenhängenden Darstellung ihrer Vita über 1945 hinaus,...

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