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Medizin im Konzentrationslager Flossenbürg 1938 bis 1945

Biografische Annäherungen an Täter, Opfer und Tatbestände

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Jessica Tannenbaum

Die Quellenstudie liefert einen Beitrag zur Medizingeschichte des KZ Flossenbürg. Durch die über 1945 hinausgehende Perspektive kann die Autorin in Übereinstimmung mit der aktuellen Täterforschung deutlich machen, wie Justiz und Standesvertretungen in der Nachkriegszeit mit den ärztlichen Tätern umgingen. Da das KZ Flossenbürg im Nürnberger Ärzteprozess keine Rolle spielte, hat dies die Einschätzung der medizinischen NS-Verbrechen an diesem Ort grundsätzlich verzerrt. Die Autorin zeigt, wie die Lagerärzte durch ein Netzwerk miteinander verknüpft waren und sich gegenseitig hilfreiche Dokumente sowohl während des 2. Weltkrieges als auch danach ausstellten. Am Sonderfall des Chirurgen H. Schmitz stellt sie dar, wie viele SS-Ärzte sich den juristischen Konsequenzen in Bezug auf das Lager Flossenbürg entziehen konnten.

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3. Die Häftlingsärzte – Exemplarische Rekonstruktion der Vita von MuDr. Frantisek Polák / Franz Wenzel Pollak

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3. Die Häftlingsärzte – Exemplarische Rekonstruktion der Vita von MuDr.696 Frantisek Polák / Franz Wenzel Pollak

Franz Wenzel Pollak wurde am 4. Dezember 1906 in Stephansruh bei Gablonz (Příchovec u Jablonce nad Nisou) in der damaligen KuK-Monarchie Österreich-Ungarn geboren.697 Seine Schwester Rudolfa kam zwei Jahre später im gleichen Ort zur Welt. Die Eltern waren Anna und Hugo Pollak. Er selbst gab später an, an der Universität Prag sowohl sein Medizinstudium absolviert als auch 1931 und 1932 am dortigen Physiologischen Institut gearbeitet zu haben.698 Dem Biografischen Lexikon über die Medizinische Fakultät der Karls-Universität Prag699 zufolge studierte er an der Deutschen Universität Prag und schloss das Studium am 13. Februar 1932 ab.700 Ebenfalls laut eigenen Angaben hat er in mehreren Sprachen wissenschaftliche Arbeiten in seinem Spezialfach Innere Medizin veröffentlicht, diese sind jedoch im Archiv der Universität Prag nicht mehr vorhanden.701 In den 1930er und frühen 1940er Jahren führte er eine eigene Praxis. Zwischenzeitlich war er vom 1. April 1938 bis zum 31. März 1939 als Assistent an der Propädeutischen Klinik der Karls-Universität angestellt.702

Nach der Okkupation durch die Wehrmacht wurde MuDr. Pollak entsprechend den seit 1935 geltenden Nürnberger Rassegesetzen als sogenannter „Halbjude“ eingestuft, da seine Mutter Jüdin war.703 Der offizielle Grund für seine Verhaftung durch die Gestapo am 29. Juni 1942 war „eine politische Sache“704, wie er sich←163 | 164→ selber ausdrückte ohne darauf weiter einzugehen. Der...

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