Show Less
Restricted access

Medizin im Konzentrationslager Flossenbürg 1938 bis 1945

Biografische Annäherungen an Täter, Opfer und Tatbestände

Series:

Jessica Tannenbaum

Die Quellenstudie liefert einen Beitrag zur Medizingeschichte des KZ Flossenbürg. Durch die über 1945 hinausgehende Perspektive kann die Autorin in Übereinstimmung mit der aktuellen Täterforschung deutlich machen, wie Justiz und Standesvertretungen in der Nachkriegszeit mit den ärztlichen Tätern umgingen. Da das KZ Flossenbürg im Nürnberger Ärzteprozess keine Rolle spielte, hat dies die Einschätzung der medizinischen NS-Verbrechen an diesem Ort grundsätzlich verzerrt. Die Autorin zeigt, wie die Lagerärzte durch ein Netzwerk miteinander verknüpft waren und sich gegenseitig hilfreiche Dokumente sowohl während des 2. Weltkrieges als auch danach ausstellten. Am Sonderfall des Chirurgen H. Schmitz stellt sie dar, wie viele SS-Ärzte sich den juristischen Konsequenzen in Bezug auf das Lager Flossenbürg entziehen konnten.

Show Summary Details
Restricted access

5. Exemplarische Rekonstruktion dreier Krankheitsgeschichten: Fritz Jänsch, Stefan Hajdu und Jacques Terrasse

Extract

5. Exemplarische Rekonstruktion dreier Krankheitsgeschichten: Fritz Jänsch, Stefan Hajdu und Jacques Terrasse

Die meisten Anamnesen, Krankheitsverläufe und eventuell Todesursachen von Patienten des Häftlingskrankenbaus und Patienten außerhalb des eigentlichen „Reviers“ sind nicht rekonstruierbar, da eine entsprechende Dokumentation entweder nie existiert hat oder vor der Befreiung des Lagers vernichtet wurde. Damit fehlt ein ganz wesentlicher zeitgenössischer Bestandteil von Informationen zur gesundheitlichen Verfassung der Gefangenen. Dies ist für andere Bereiche des Lagerlebens analog und die meisten Details, die uns heute eine Rekonstruktion von Geschehnissen im Lager ermöglichen, sind entweder nach Kriegsende aufgezeichnet worden bzw. können über mehrere, zum Teil sehr unterschiedliche Quellenbestände Stück für Stück zusammengesetzt werden. Im Folgenden sollen exemplarisch drei typische Krankheiten im Konzentrationslager Flossenbürg anhand von Einzelschicksalen dargestellt werden; eine davon verlief tödlich.

5.1 Fritz Jänsch und Stefan Hajdu

Ein Beispiel für eine rudimentäre medizinische Dokumentation ist die Krankheitsgeschichte von Fritz (Friedrich) Jänsch. 56-jährig wurde er 1954 als Zeuge im Ermittlungsverfahren gegen Faßbender, Schnabel u. a. gehört. Dabei gab er an, Ende 1944 von Heinrich Schmitz unnötig operiert worden zu sein. Warum er sich im Revier primär vorgestellt hatte, welche Diagnose dort gestellt wurde und welcher Eingriff letztendlich vorgenommen worden war, wurde in Jänschs Anhörung nicht eruiert. Auch wurde nicht nachgefragt, wie es ihm 1954 gesundheitlich ging.

Diese Anhörung war der Ausgangspunkt für weitere Recherchen:...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.