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Transkulturalität, Identitätskonstruktion und narrative Vermittlung in Migrationstexten der italienischen Gegenwartsliteratur

Eine Analyse ausgewählter Werke von Gabriella Kuruvilla, Igiaba Scego, Laila Wadia und Sumaya Abdel Qader

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Romina Linardi

Im Mittelpunkt dieser Studie steht die Analyse von Identitätskonstruktionen und transkulturellen Narrativen in ausgewählten Werken von G. Kuruvilla, I. Scego, L. Wadia und S. Abdel Qader. Der kultur- und literaturwissenschaftliche Zugang dient dem zentralen Anliegen, eine neue Perspektive zur Erforschung der italienischsprachigen Migrationsliteratur zu liefern. Sozialwissenschaftliche Forschungsansätze zu Migration und Identität stellen weitere theoretisch gestützte Erklärungsmechanismen bereit, die für die literarischen Analysen ebenso fruchtbar gemacht werden. Ein besonderes Augenmerk gilt den eingesetzten erzähltechnischen Methoden und sprachlichen Formen, die in den Texten starre Auffassungen sprachlicher und kultureller Identität auf produktive Weise neu gestalten.

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3. Transkulturalität als Beschreibung veränderter Realitäten

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3.1. Multikulturalität – Interkulturalität – Transkulturalität: Ein Perspektivenwechsel „in einem gegenseitigen Sich- Verschmelzen und -Befruchten [liegt] der eigentliche Wert und Sinn der jetzigen Kultur“32 Betrachtet man die Geschichte des Kulturbegriffes, so wird deutlich, dass Kultur ein äußerst komplexes Konstrukt ist, das in zahlreichen Definitionen zu fassen versucht wurde.33 Eine grundlegende Annahme im lange tradierten Kulturkon- zept des späten 18. und 19. Jahrhunderts war, dass menschliche Kulturen als homogene und voneinander unabhängige, separate Einheiten verstanden wurden. Johann Gottfried Herder hat die bildhafte Darstellung von der kugelförmigen Ge- stalt einer nationalen Kultur paradigmatisch auf den Punkt gebracht: „Jede Nation hat ihren Mittelpunkt der Glückseligkeit in sich wie jede Kugel ihren Schwer- punkt“ (Herder 1967 [1774]: 44 f.). Innerhalb der Forschung ist die Rezeption des Herderschen Kulturbegriffes sehr umstritten und widersprüchlich zugleich.34 So kritisiert Welsch (1994: 88–91), dass das Kugelmodell sowohl einen inneren Homogenisierungsdruck als auch eine äußere Abgrenzung voraussetze, die eine 32 Vgl. Nietzsche, Friedrich (1959): Der Wille zur Macht. Versuch einer Umwertung aller Werte. Stuttgart: Kröner, S. 502. 33 Einen umfangreichen Überblick zur Geschichte des Kulturbegriffes bietet unter an- derem Fleischer, Michael (2001): Kulturtheorie. Systemtheoretische und evolutionäre Grundlagen. Oberhausen: Athena, ergänzend dazu siehe auch: Reckwitz, Andreas (2006): Die Transformation der Kulturtheorien. Zur Entwicklung eines Theoriepro- gramms. Weilerswist: Velbrück Wissenschaft; Wirth, Uwe (Hrsg.) (2008): Kulturwissen- schaft. Eine Auswahl grundlegender Texte. Frankfurt a. M.: Suhrkamp. Erwähnenswert ist ebenfalls der Band von Hamid Reza Yousefi und Ina Braun, der...

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