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Großstadtglaube

Katholische Präsenz in Berlin

Thomas Brose

Großstadt = Gottlosigkeit? Sind die spätmodernen Metropolen mit ihren Lebensrhythmen überhaupt dafür geeignet, Spiritualität und Glaube eine Chance zu geben? Braucht Religion den Exodus aufs Land?

Tatsächlich sind Religion und Urbanität, das Sakrale und das Säkulare, historisch auf das engste miteinander verknüpft. Am Beispiel Berlins zeigt die Publikation, was sich daraus für die Entwicklung einer zeitgenössischen (katholischen) Theologie ableiten lässt, wenn diese bereit ist, auf die Sprache der Großstadt zu hören und in ein fruchtbares Gespräch mit Philosophie und Literaturwissenschaft einzutreten («Berliner Ansatz»).

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1. Großstadtleben ohne Gott?

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1. Großstadtleben ohne Gott?

Großstadt = Gottlosigkeit? Sind die spätmodernen Metropolen mit ihren Lebensrhythmen überhaupt dafür geeignet, den Glauben weiterzugeben? Brauchen Menschen die Nähe zur Natur, um Sinn fürs Gefühlvolle und Spirituelle zu entwickeln? Braucht Religion und Konfession also den Exodus aufs Land?1 Ist die Großstadt tatsächlich eine „Stadt ohne Gott“, wie Harvey Cox mit seinem Buchtitel einst nahelegte?

Cox‘ Klassiker The Secular City2 kann für diese Interpretation aber keineswegs in Anspruch genommen werden. Kritiker urbaner Lebensverhältnisse können sich nicht darauf berufen. Denn der Autor will genau das Gegenteil zum Ausdruck bringen: Die Metropole, so seine Analyse, eröffne Glaube und Christsein neue Räume – nicht zuletzt durch die unmittelbare Nachbarschaft zu anderen Religionen und zu den Nichtlaubenden.

Die Stadt erweist sich weiterhin als genuine Stätte der Transzendenz und als Ort, an dem „Gott“ zum Vokabular lebendiger Sprache gehört. Vor allem Karl Rahner hat daran erinnert: Eigentlich existiert der homo sapiens nur da ganz als Mensch, wo er das Wort „Gott“ in Freiheit aussprechen kann. Eine Anthropologie ohne Gottesvorstellung, so Rahner, stehe dagegen in Gefahr, das spezifisch Menschliche←15 | 16→ aufzugeben. Ihr drohe die Zerstörung des Humanen durch die „Rückkreuzung zum findigen Tier“3.

Großstadtglaube: Das ist ein packendes Phänomen. Als die Metropole an der Spree gerade dabei war, sich ihre Weltstadtsporen zu verdienen, veröffentlichte Georg Simmel 1903 seinen klassisch geworden Grundlagentext: „Die...

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