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Großstadtglaube

Katholische Präsenz in Berlin

Thomas Brose

Großstadt = Gottlosigkeit? Sind die spätmodernen Metropolen mit ihren Lebensrhythmen überhaupt dafür geeignet, Spiritualität und Glaube eine Chance zu geben? Braucht Religion den Exodus aufs Land?

Tatsächlich sind Religion und Urbanität, das Sakrale und das Säkulare, historisch auf das engste miteinander verknüpft. Am Beispiel Berlins zeigt die Publikation, was sich daraus für die Entwicklung einer zeitgenössischen (katholischen) Theologie ableiten lässt, wenn diese bereit ist, auf die Sprache der Großstadt zu hören und in ein fruchtbares Gespräch mit Philosophie und Literaturwissenschaft einzutreten («Berliner Ansatz»).

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4. Katholische Intellektualität + Großstadt = BERLINER ANSATZ

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4. Katholische Intellektualität + Großstadt = BERLINER ANSATZ

4.1 Vorsicht „Katholisch“!

Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts war „Brandenburg-Preußen rein protestantisch“, erklärt der Historiker Étienne François. „Sicher gab es nicht übersehbare Spuren der katholischen ‚Vorgesichte‘ (der ehemalige Ordensstaat, die säkularisierten bzw. umgewandelten Bistümer und Klöster, wie auch die Mehrheit der Kirchen). Die Armee zählte einige vereinzelte katholische Soldaten, etwa in Berlin, in Spandau und in Potsdam unter dem Soldatenkönig. […] Eine ‚katholische Frage gab es aber lange Zeit nicht, und es überrascht daher keineswegs, dass Rudolf von Thadden im Kapitel ‚Wie war Preußens Kirche?‘ seines 1981 erschienenen Buchs ‚Fragen an Preußen‘ nur vom Protestantismus spricht und den Katholizismus mit keinem Wort erwähnt.“54

Dass alles Katholische mit Vorsicht zu genießen sei und unter Verdacht stehe, dem Aberglauben Vorschub zu leisten, darauf kommt Theodor Fontane wiederholt zu sprechen. In der Kriminalnovelle Unterm Birnbaum ist es z. B. Abel Hradscheck – dieser stellt sich später als Täter heraus –, der seiner Frau Ursel widerspricht, als sie von der heilsamen Wirkung eines Marienbildes berichtet, „das der Bischof von Hildesheim und ihr bei der Firmelung (sic!) geschenkt habe.“ „ ‚Geh mir doch mit dem Bild, Ursel“, tadelt Hradscheck seine Frau, die aufgrund ihrer Eheschließung zur evangelischen Kirche←55 | 56→ übergetreten war. „ ‚Und wenn ich auch wollte, denke nur, welche Bescherung ich hätte, wenn’s einer merkte. Die Bauern würden lachen von einem Dorfende bis ans...

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