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Großstadtglaube

Katholische Präsenz in Berlin

Thomas Brose

Großstadt = Gottlosigkeit? Sind die spätmodernen Metropolen mit ihren Lebensrhythmen überhaupt dafür geeignet, Spiritualität und Glaube eine Chance zu geben? Braucht Religion den Exodus aufs Land?

Tatsächlich sind Religion und Urbanität, das Sakrale und das Säkulare, historisch auf das engste miteinander verknüpft. Am Beispiel Berlins zeigt die Publikation, was sich daraus für die Entwicklung einer zeitgenössischen (katholischen) Theologie ableiten lässt, wenn diese bereit ist, auf die Sprache der Großstadt zu hören und in ein fruchtbares Gespräch mit Philosophie und Literaturwissenschaft einzutreten («Berliner Ansatz»).

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Exkurs: Krieg und Frieden im Hochland 1914–1918

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1. Ausgangspunkt: Gegen die „geistige Inferiorität“ des deutschen Katholizismus

„[W]ir haben auf katholisch-christlicher Grundlage bis jetzt keine Revue großen Stils, die vermöge einer tüchtigen und umfassenden Organisation ihres inneren Betriebs im Stand wäre, das ganze heutige Kulturleben in all den zu einer Erkenntnis wesentlichen, für seinen Fortschritt wirksamen Äußerungen und Ausstrahlungen zu überschauen, zu begleiten, geschweige denn zu beeinflussen. […] Moderne Kultur! Wir werden uns ihr gegenüber weder als blinde Schwärmer noch als einseitige Verächter empfinden.“84, schrieb Carl Muth im Vorwort zur ersten Ausgabe des Hochland – unter diesem Titel erschien ab Oktober 1903 die Münchner Monatsschrift für alle Gebiete des Wissens, der Literatur und Kunst. Ihr Gründer und langjähriger Chefredakteur Carl Muth85 gab das für gebildete Katholiken neuartige Periodikum bis zum Verbot durch das NS-Regime im Jahr 1941 heraus. Bereits zuvor hatte Muth die „geistige Inferiorität“ des deutschen Katholizismus beklagt und eindringlich für seine nicht bloß←77 | 78→ äußerliche Modernisierung, sondern kulturpolitische Öffnung plädiert.

Unter Muths Federführung entwickelte die Zeitschrift einen offenen, interdisziplinären und zeitkritischen Publikationsstil; sie avancierte zum Leitmedium eines intellektuellen Katholizismus im Wilhelminischen Deutschland und in der Weimarer Republik. Mit der gewagten Neugründung ging der zeitsensible Historiker und Literaturwissenschaftler daran, neue Paradigmen für wissenschaftliche, gesellschaftliche und politische Debatten ins Spiel zu bringen. Auf diesem Weg gelang es ihm, gesellschaftspolitische Suchprozesse der Minderheitenkirche auf dem Weg in die klassische...

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