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Großstadtglaube

Katholische Präsenz in Berlin

Thomas Brose

Großstadt = Gottlosigkeit? Sind die spätmodernen Metropolen mit ihren Lebensrhythmen überhaupt dafür geeignet, Spiritualität und Glaube eine Chance zu geben? Braucht Religion den Exodus aufs Land?

Tatsächlich sind Religion und Urbanität, das Sakrale und das Säkulare, historisch auf das engste miteinander verknüpft. Am Beispiel Berlins zeigt die Publikation, was sich daraus für die Entwicklung einer zeitgenössischen (katholischen) Theologie ableiten lässt, wenn diese bereit ist, auf die Sprache der Großstadt zu hören und in ein fruchtbares Gespräch mit Philosophie und Literaturwissenschaft einzutreten («Berliner Ansatz»).

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6. Die Humboldt-Universität: Als Erinnerungsort des Atheismus

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6. Die Humboldt-Universität: Als Erinnerungsort des Atheismus

„Wer gibt Ihnen überhaupt das Recht, für ‚unsere Menschen‘ zu sprechen?“ – Solche und ähnliche Wendungen hatte sich ein Christ anzuhören, wenn er versuchte, gesellschaftliche Strukturen in der DDR zu kritisieren. Darum war es keineswegs verwunderlich, dass auch jene Diskussion in der Berliner Humboldt-Universität im Herbst 1988 nach wohlvertrautem Muster ablief: Eine Frage nach der Gültigkeit der Menschenrechte wurde mit Hinweis auf Marx’ Kritik abgebügelt. Der Exponent eines „falschen“, nämlich religiösen Bewusstseins, störte die ideologische Homogenität; er hatte deshalb keinen Beitrag zum Diskurs beizusteuern. Aber der theologische Unruhestifter wirkte nicht bloß irritierend, sondern gefährlich – bedrohte seine Wortmeldung doch das Monopol der „wissenschaftlichen Weltanschauung“. Was hinter Kirchenmauern geduldet wurde, kam hier, an der sozialistischen Kaderschmiede, einer intellektuellen Grenzverletzung gleich.

Um diese Erfahrung einzuordnen, komme ich nochmals auf die Erinnerungsorten des Christentums zu sprechen. Darin gelingt es Christoph Markschies und Hubert Wolf, aufzuzeigen, was es heißt, Christ zu sein und eine konfessionelle Identität zu besitzen. Allerdings ist zu fragen: Warum ist Berlin, das geistige und kulturelle Zentrum Deutschlands, für Christsein scheinbar ein Totalausfall. Ist die deutsche Hauptstadt bloß ein Topos für „Unglauben“? – Aber vielleicht liegt gerade darin die Lösung: In der Metropole einen „realen“ Ort christlichen Nachdenkens und Erinnerns auszumachen, der Religionskritik, Agnostizismus und Atheismus mit auf die Rechnung setzt.←105 | 106→

Wo also existiert ein Erinnerungsort, an dem Theologie auf „Weltanschauung“ trifft? Wo...

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