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Die Ästhetische Revolution in Deutschland

1750–1950 – Von Winckelmann bis Nietzsche – von Nietzsche bis Beckmann

Meindert Evers

Die Ästhetische Revolution in Deutschland widerlegt das Klischeebild von Deutschland als Land von romantischen aber weltfremden Dichtern und Denkern. In Deutschland findet um 1750 eine ästhetische Revolution statt, an deren Anfang J. J. Winckelmann steht. In der romantischen Bewegung (Schiller, Hölderlin, Kleist) bahnt sich diese ästhetische Revolution, die Heine als einer der ersten kritisiert, einen Weg. Seit Heine ist die Kritik an der ästhetischen Revolution nicht mehr verstummt. Die ästhetische Revolution, die sich gegen die Rationalisierung und Mechanisierung der Welt kehrt, findet in Nietzsches Denken ihren Höhepunkt. In den 20er Jahren wird die ästhetische Revolution zu einer konservativen Revolution, die scheitern muss (George, Spengler, Th. Mann, Benn). Dass gerade nach 1945 die ästhetische Perspektive notwendig ist, zeigen Beckmann und M. Walser.

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1. Die Geburt des ästhetischen Menschen in Deutschland

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1. Die Geburt des ästhetischen Menschen in Deutschland

1.1. Die Geburt des ästhetischen Menschen. Johann Joachim Winckelmann

Mit Johann Joachim Winckelmann (1717–1768) beginnt in Deutschland die ästhetische Revolution. Bei Winckelmann artikuliert sich diese Revolution als Protest gegen das Gekünstelte und Manierierte, gegen das Akademische und die Konvention, gegen das französisch-klassizistische Modell, gegen einen konventionellen, blutlosen, dekorativen Klassizismus, der seiner ursprünglichen Vitalität beraubt ist. Winckelmanns Protest gegen den französischen Klassizismus war im Grunde ein Protest gegen das mechanistische und materialistische Weltbild, welches, als Folge des Cartesianismus, die französische Aufklärung des 18. Jahrhunderts allgemein kennzeichnet.

Im Frankreich Descartes’ ist der esprit géométrique am tiefsten verankert, am radikalsten durchgeführt. Und seit Ludwig XIV. verbreitet sich diese spezifisch französische Kultur über alle Länder des Kontinents – auch über die deutschen Staaten. Friedrich der Große, Zeitgenosse Winckelmanns und dessen Landesherr, sprach und schrieb Französisch; sein Geschmack – man denke an das Schloss Sanssouci, das im Rokoko-Stil gebaut ist – war vollkommen an Frankreich angelehnt. Als zu seiner Zeit Shakespeare auf die Bühne gebracht wurde, konnte der preußische König darin nur eine neumodische Geschmacklosigkeit sehen. Gerade die deutschen Fürstenhöfe sind von französischen Vorbildern beherrscht, zum Unmut vieler junger Intellektueller. Ihnen steht eine neue, nationale Kultur vor Augen, die auf Wahrhaftigkeit, Ursprünglichkeit und Schlichtheit gegründet sein soll.

Von der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts an werden, statt der...

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