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Die Ästhetische Revolution in Deutschland

1750–1950 – Von Winckelmann bis Nietzsche – von Nietzsche bis Beckmann

Meindert Evers

Die Ästhetische Revolution in Deutschland widerlegt das Klischeebild von Deutschland als Land von romantischen aber weltfremden Dichtern und Denkern. In Deutschland findet um 1750 eine ästhetische Revolution statt, an deren Anfang J. J. Winckelmann steht. In der romantischen Bewegung (Schiller, Hölderlin, Kleist) bahnt sich diese ästhetische Revolution, die Heine als einer der ersten kritisiert, einen Weg. Seit Heine ist die Kritik an der ästhetischen Revolution nicht mehr verstummt. Die ästhetische Revolution, die sich gegen die Rationalisierung und Mechanisierung der Welt kehrt, findet in Nietzsches Denken ihren Höhepunkt. In den 20er Jahren wird die ästhetische Revolution zu einer konservativen Revolution, die scheitern muss (George, Spengler, Th. Mann, Benn). Dass gerade nach 1945 die ästhetische Perspektive notwendig ist, zeigen Beckmann und M. Walser.

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1.2. Friedrich Schiller: Schönheit und Freiheit

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1.2. Friedrich Schiller: Schönheit und Freiheit

Schiller (1759–1805) war nicht nur Dichter, sondern auch Philosoph. In Essays wie in Über Anmut und Würde (1793), Über die ästhetische Erziehung des Menschen (1793–94) und Über naive und sentimentalische Dichtung (1795) reflektiert er über die Bedeutung der Kunst und entwirft eine Ästhetik. Schiller betont den versöhnenden Charakter der Kunst: In dem ästhetischen Verhalten zur Welt wird der Mensch mit sich und mit der Welt versöhnt. Dabei baut er auf Kants Gedanken auf.←94 | 95→

Kants dritte Kritik, die Kritik der Urteilskraft (1790), stellt einen wichtigen Schritt zur Entdeckung eines eigenständigen Reiches der Schönheit dar. Diese Schrift wird auch bei den Romantikern hohe Popularität genießen. In dieser dritten Kritik versucht Kant zu einem allgemeinen Kriterium des Schönen zu kommen. Er definiert das Schöne als das, „was ohne alles Interesse gefällt“. Damit erkennt Kant den Eigenwert des Ästhetischen an. Man kann sich Kant zufolge auf drei Arten zur Wirklichkeit verhalten: erkennend, handelnd und schauend-kreativ. Das Reich der Schönheit ist ein drittes Reich. Es befindet sich zwischen der Natur, die durch Kausalität bestimmt ist, und der normativen Welt der Moral.

In der ästhetischen Perspektive wird das Individuelle als solches erfahren, als Konkretisierung des Allgemeinen. In der analytisch-theoretischen Perspektive der reinen Vernunft wird das Phänomen in isolierte Elemente aufgelöst, in einem Komplex von Ursache und Wirkung. In der praktischen Perspektive wird das Phänomen...

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