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Die Ästhetische Revolution in Deutschland

1750–1950 – Von Winckelmann bis Nietzsche – von Nietzsche bis Beckmann

Meindert Evers

Die Ästhetische Revolution in Deutschland widerlegt das Klischeebild von Deutschland als Land von romantischen aber weltfremden Dichtern und Denkern. In Deutschland findet um 1750 eine ästhetische Revolution statt, an deren Anfang J. J. Winckelmann steht. In der romantischen Bewegung (Schiller, Hölderlin, Kleist) bahnt sich diese ästhetische Revolution, die Heine als einer der ersten kritisiert, einen Weg. Seit Heine ist die Kritik an der ästhetischen Revolution nicht mehr verstummt. Die ästhetische Revolution, die sich gegen die Rationalisierung und Mechanisierung der Welt kehrt, findet in Nietzsches Denken ihren Höhepunkt. In den 20er Jahren wird die ästhetische Revolution zu einer konservativen Revolution, die scheitern muss (George, Spengler, Th. Mann, Benn). Dass gerade nach 1945 die ästhetische Perspektive notwendig ist, zeigen Beckmann und M. Walser.

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2. Nietzsche als Kulminationspunkt der ästhetischen Perspektive

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2. Nietzsche als Kulminationspunkt der ästhetischen Perspektive

2.1. Zu Nietzsches Leben

Geboren wurde Friedrich Nietzsche am 15. Oktober 1844 als Sohn eines Pfarrers in Röcken, einem Dorf unweit von Lützen und Leipzig. Auch mütterlicherseits stammt er aus einer Pfarrfamilie. Sein Vater stirbt als er vier Jahre alt ist. Er wächst mit seiner Schwester Elisabeth (‚das Lama‘) in Naumburg auf. Dort besucht er das Gymnasium (1854–1858), ist anschließend Internatsschüler von Schulpforta (1858–1864), dem berühmten evangelischen Internat, das im 16. Jahrhundert durch Moritz von Sachsen gegründet wurde. Dort waren auch Klopstock, Fichte und Ranke Schüler. Bis zur Wende erinnerte dort nichts an Nietzsches Aufenthalt, erst 2000 wurde dort am Eingang eine Tafel mit seinem Namen angebracht. Mit dem „Begründer der Rassenideologie“ habe die DDR nichts im Sinn, lautete, wie aus der Pistole geschossen, die Antwort eines DDR-Schülers, den ich 1987 auf dem Gelände des Internats auf das Fehlen einer Tafel für Nietzsche aufmerksam machte. Name und Lehre Nietzsches waren in der DDR verpönt.

1864 immatrikuliert sich Nietzsche an der Universität in Bonn, zunächst um Theologie zu studieren. Hier lernt er Paul Deussen kennen, den späteren bekannten Orientalisten. Nach einer Glaubenskrise wechselt er zur Altphilologie. 1865 folgt er seinem Lehrmeister Friedrich Ritschl nach Leipzig. Dort hat er zwei große Bildungserlebnisse: Er entdeckt in einem Antiquariat Schopenhauers Hauptwerk Die Welt als Wille und Vorstellung und er lernt die...

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