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Die Ästhetische Revolution in Deutschland

1750–1950 – Von Winckelmann bis Nietzsche – von Nietzsche bis Beckmann

Meindert Evers

Die Ästhetische Revolution in Deutschland widerlegt das Klischeebild von Deutschland als Land von romantischen aber weltfremden Dichtern und Denkern. In Deutschland findet um 1750 eine ästhetische Revolution statt, an deren Anfang J. J. Winckelmann steht. In der romantischen Bewegung (Schiller, Hölderlin, Kleist) bahnt sich diese ästhetische Revolution, die Heine als einer der ersten kritisiert, einen Weg. Seit Heine ist die Kritik an der ästhetischen Revolution nicht mehr verstummt. Die ästhetische Revolution, die sich gegen die Rationalisierung und Mechanisierung der Welt kehrt, findet in Nietzsches Denken ihren Höhepunkt. In den 20er Jahren wird die ästhetische Revolution zu einer konservativen Revolution, die scheitern muss (George, Spengler, Th. Mann, Benn). Dass gerade nach 1945 die ästhetische Perspektive notwendig ist, zeigen Beckmann und M. Walser.

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3.4. Oswald Spengler: rückwärtsgewandter Prophet?

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3.4. Oswald Spengler: rückwärtsgewandter Prophet?

Oswald Spengler wurde 1880 in Blankenburg im Harz geboren. Sein Vater, der eine Stelle bei der Post innehatte, war der Prototyp eines preußischen Beamten. Als sein Vater zum Postobersekretär befördert wurde, zog seine Familie erst nach Soest, später nach Halle (1891). Seine Mutter stammte aus einer künstlerischen Familie, ihr Vater war Ballettlehrer gewesen. Auch ihre Schwestern machten als Schauspielerin bzw. als Balletttänzerin Karriere. Sie selbst war jedoch das hässliche Entlein der Familie und litt unter einem Minderwertigkeitskomplex, den sie mit Klavier- und Malunterricht zu kompensieren suchte. Zu dem Sohn bekam sie noch drei Töchter.

Über Spenglers Innenleben sind wir gut informiert, weil er viel über sich selbst reflektierte und aufschrieb. In seiner unveröffentlichten Autobiographie Eis Heauton (geschrieben zwischen 1913 und 1919) beschreibt er sich als ein Kind, das gerne in Phantasiewelten lebte und zahlreiche Phobien hatte.

In Halle geht er auf ein pietistisch geprägtes Gymnasium. Doch schon früh verliert er seinen Glauben. Er habe, so schreibt er später, schon als Kind von vierzehn Jahren vergeblich versucht zu beten. Früh entdeckt er seine Liebe zu Literatur und Kulturgeschichte und schmiedet selbst literarische Pläne. Auch das Thema des←242 | 243→ Verfalls fesselt ihn früh. Als siebzehnjähriger verfasst er ein (unveröffentlichtes) Stück Montezuma, das den Untergang der mexikanischen Kultur zum Thema hat. In diese Zeit fällt auch die Lektüre Nietzsches....

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