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Die Ästhetische Revolution in Deutschland

1750–1950 – Von Winckelmann bis Nietzsche – von Nietzsche bis Beckmann

Meindert Evers

Die Ästhetische Revolution in Deutschland widerlegt das Klischeebild von Deutschland als Land von romantischen aber weltfremden Dichtern und Denkern. In Deutschland findet um 1750 eine ästhetische Revolution statt, an deren Anfang J. J. Winckelmann steht. In der romantischen Bewegung (Schiller, Hölderlin, Kleist) bahnt sich diese ästhetische Revolution, die Heine als einer der ersten kritisiert, einen Weg. Seit Heine ist die Kritik an der ästhetischen Revolution nicht mehr verstummt. Die ästhetische Revolution, die sich gegen die Rationalisierung und Mechanisierung der Welt kehrt, findet in Nietzsches Denken ihren Höhepunkt. In den 20er Jahren wird die ästhetische Revolution zu einer konservativen Revolution, die scheitern muss (George, Spengler, Th. Mann, Benn). Dass gerade nach 1945 die ästhetische Perspektive notwendig ist, zeigen Beckmann und M. Walser.

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4. Epilog

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4. Epilog

4.1. Martin Walsers Roman Ein springender Brunnen

Schon Nietzsche fordert, dass jede Zeit den neuen Künstler braucht, den Künstler, der seine Zeit in den Spiegel seiner Kunst bannt, monumentalisiert und verherrlicht. Im Fin de siècle war der Jugendstil der erste Versuch, diesen nietzscheanischen Gedanken umzusetzen. Das Resultat war aber zu süß, zu dekorativ. Im Expressionismus von Beckmann und Gottfried Benn, die jede Sentimentalität ablehnen, ist das Resultat gelungener. Vorläufig sind sie noch unübertroffen. Inzwischen hat die Zeit aber mit dem zweiten Weltkrieg ein neues Hindernis für den Künstler aufgeworfen. Es scheint unüberwindbar. Auschwitz ist sein Name. Wo ist der Künstler, der dieses Hindernis überwindet? Und kommt er aus Deutschland?

Ist Martin Walser der neue Künstler? Martin Walser, geboren 1927 in Wasserburg, Autor von Romanen, wie Die Verteidigung der Kindheit, veröffentlichte 1998 einen Roman, der in Deutschland zu einer heftigen Diskussion führte: Ein springender Brunnen. In diesem Roman, der zusammen mit Die Verteidigung der Kindheit zu seinen besten Werken gehört, beschreibt Walser die Zeit von 1932 bis 1945 aus der Perspektive eines aufwachsenden Jungen, der er wohl selbst ist.

Der Titel Ein springender Brunnen ist ein Zitat aus Zarathustra, aus dem Nachtlied: Die Hauptfigur, der junge Johann, liest dem schwerkranken Vater vor, der selbst zu schwach ist um ein Buch festzuhalten: „Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen. Und auch meine Seele ist ein springender...

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