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«Futura contingentia, necessitas per accidens» und Prädestination in Byzanz und in der Scholastik

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Stamatios Gerogiorgakis

Die Studie stellt einen direkten Vergleich zwischen der Scholastik und der byzantinischen Philosophie und Theologie dar. Sie stellt Lehren der Philosophie und Theologie des Hoch- und Spätmittelalters einander gegenüber und bespricht diese in kritischer, jedenfalls nicht in doxographischer Hinsicht.

Die Zeitlogik hat ihren Ursprung in der Antike. In der Spätantike und insbesondere im Mittelalter erlangten ihre Resultate auch eine theologische und politische Brisanz. Das Studium der Semantik von Sätzen über Zukunftsereignisse, die eintreten oder auch ausbleiben können, sowie das Studium der Semantik von Sätzen über Vergangenheitsereignisse lehren uns Einiges über Zukunftserwartungen. Zusätzlich ist der Vergleich lateinischer und griechischer mittelalterlicher Quellen zur Zeitlogik bezeichnend für die Reichweite der philosophischen Reflektion in der mittelalterlichen Weltanschauung.

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5. Reversible Vergangenheit

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Die Macht Gottes über die Vergangenheit kann als eine zwar implizite aber aus vielen byzantinischen Quellen klar hervorgehende Lehre betrachtet werden.

MAXIMUS DER BEKENNER (7. Jh.) nahm an, dass die Sünden aus vergangenen Zeiten aufgehoben werden können:

Vieles davon, was uns zustößt, soll uns zur Besinnung bringen oder die Sünden aus vergangenen Zeiten aufheben oder die gegenwärtige Unbesonnenheit richten oder die künftigen Sünden verhindern.184

Es mag zunächst unklar sein, was eine „Aufhebung“ einer Sünde sein kann. Ist sie etwas anderes als eine Vergebung? Folgende Stelle trägt, im selben Zusammenhang betrachtet, zur Klärung der Position von Maximus bei:

Die Angriffe durch die Versuchung tragen bei den einen dazu bei, bereits begangene, bei den anderen gerade geschehende Sünden aufzuheben. Bei anderen tragen sie wiederum dazu bei, Sünden zu verhindern, die zu begehen wären.185

Hier geht es mit Sicherheit nicht um Vergebung. Denn es wird die Versuchung angesprochen, eine neue Sünde zu begehen, als noch keine Vergebung erforderlich ist. Diese Versuchung soll außerdem zur Aufhebung vergangener Sünden beitragen. Im gesamten Kontext186 diskutiert Maximus die pädagogische Funktion der Versuchung und die durch eine begangene Sünde bedingte Läuterung. Maximus meint, dass die einsetzende Läuterung vergangene Sünden (nicht nur ihre Wirkung in uns etwa) tilgt.

Wer aus den eigenen Sünden Lehren zieht („ἁμαρτάνων καὶ παιδευόμενος“), soll ein besserer Mensch werden, indem er...

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