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«Futura contingentia, necessitas per accidens» und Prädestination in Byzanz und in der Scholastik

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Stamatios Gerogiorgakis

Die Studie stellt einen direkten Vergleich zwischen der Scholastik und der byzantinischen Philosophie und Theologie dar. Sie stellt Lehren der Philosophie und Theologie des Hoch- und Spätmittelalters einander gegenüber und bespricht diese in kritischer, jedenfalls nicht in doxographischer Hinsicht.

Die Zeitlogik hat ihren Ursprung in der Antike. In der Spätantike und insbesondere im Mittelalter erlangten ihre Resultate auch eine theologische und politische Brisanz. Das Studium der Semantik von Sätzen über Zukunftsereignisse, die eintreten oder auch ausbleiben können, sowie das Studium der Semantik von Sätzen über Vergangenheitsereignisse lehren uns Einiges über Zukunftserwartungen. Zusätzlich ist der Vergleich lateinischer und griechischer mittelalterlicher Quellen zur Zeitlogik bezeichnend für die Reichweite der philosophischen Reflektion in der mittelalterlichen Weltanschauung.

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11. Von der Modalontologie zur doktrinären Eschatologie

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Metaphorische Äußerungen in biblischen und patristischen Quellen773 sowie Volksfrömmigkeit prägten schon in frühchristlicher Zeit die Vorstellung über ein Fegefeuer (lat: ignis purgatorius; gr: καθαρτήριον πῦρ),774 die im Westen insbesondere nach dem 13. Jh. dogmatisch untermauert wurde.

Von der frühen Kirche bis zum Spätmittelalter war es unter Byzantinern wie unter Lateinern eine verbreitete Vorstellung, dass sich die Seelen nach dem Ableben in einem mittleren Zustand befinden.775 Anfangs war sie die Vorstellung eines reinigenden Feuers, das die Reinigung der (im mittleren Zustand befindlichen) Seelen der Toten von nicht gesühnten Sünden bewirkt – eine Wirkung, die die Fürbitten der Lebenden veranlassen.

Bei PAULUS wird die Seele mit durch verbrennbare Fremdmaterialien vermischtem Gold verglichen.776 Um pures Gold (sozusagen nur die Güte der Seele) zu erhalten, verbrennt bei der Prüfung das reinigende Feuer die anderen Materialien (Stroh wird z.B. explizit genannt) und bringt pures (geschmolzenes) Gold hervor. ← 293 | 294 →

CLEMENS VON ALEXANDRIEN († vor 215) verglich die Sühne nach dem Tod mit einem „Besinnungs“-Feuer, das durch die Seele hindurch gehe.777 Clemens betrachtete den Feuertest als schmerzhafte Heilung für diese Verstorbenen, die Sünden zu bereuen haben – nach seinem Sprachgebrauch: in deren Seelen „Brennstoff“ („ὕλη δεομένη ἀναλοῦσθαι“) beigemischt ist. Er betrachtete aber diesen Test als schmerzlosen Vorgang für Verstorbene, die keinen „Brennstoff“ in sich aufgeladen haben.778

GREGOR VON NYSSA († nach 394) spricht von einem reinigenden Feuer, das den der Seele beigemischten „Schmutz“ („rhypos“) verbrennt und sie auf...

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