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Der Hamburger Theaterskandal von 1801

Eine Quellendokumentation zur politischen Ästhetik des Theaters um 1800

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Edited By Martin Schneider

Der Herausgeber dokumentiert, kommentiert und analysiert erstmals den Hamburger Theaterskandal von 1801. Damals kam es zu einer offenen Rebellion des Publikums gegen die fünf Direktoren der Bühne. Lautstark forderten die Zuschauer ein Mitspracherecht bei künstlerischen Entscheidungen. Sie zeigten damit, dass das Theater um 1800 als öffentlicher Verhandlungsort politischer und ästhetischer Konflikte zu begreifen ist. Dieses Buch dokumentiert den Hamburger Theaterskandal anhand historischer Pressetexte. Dabei macht der Herausgeber deutlich, welche Rolle die Medien bei der Eskalation des Streits und seiner Bewältigung in der Öffentlichkeit spielten. Die hier zum ersten Mal edierten und kontextualisierten Quellen des Skandals erlauben neue Erkenntnisse über die Funktionsweise von Theaterskandalen überhaupt.

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2. Politische Öffentlichkeit und ästhetischer Diskurs im Theater um 1800: Der Hamburger Direktionsskandal

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2. Politische Öffentlichkeit und ästhetischer Diskurs im Theater um 1800: Der Hamburger Direktionsskandal

2.1. Der Hamburger Theaterskandal von 1801 im Kontext

„Aufstand des Bodenpersonals“: Unter diesem Titel berichtete Der Spiegel im September 2016 über den in großen Theaterstädten wie Berlin und München sich formierenden Protest von Schauspielern und Tänzern. Was war geschehen? Unter „Bühnenmitarbeitern, Theaterleitern und Feuilletonisten“, so war im Beitrag zu lesen, sei „eine hitzige Diskussion entbrannt.“ Es gehe um die Frage, wie „menschenfreundlich und demokratisch in den öffentlich subventionierten deutschsprachigen Theaterhäusern gearbeitet wird“. Die Schauspieler beklagten sich über „feudalistische Zustände im Staats- und Stadttheaterbetrieb“ und forderten „Mitsprache bei der Besetzung von Chefposten.“1 Kritisiert würden vor allem die autoritären Strukturen an Bühnen wie den Münchener Kammerspielen und dem Berliner Ensemble, wo „jede echte schauspielerische Mitbestimmung“ von den Intendanten „blockiert“ werde, „Machtmissbrauch und Willkür des Vorgesetzten“ um sich griffen. Der bekannte Schauspieler Edgar Selge wurde mit den Worten zitiert, Theater seien „feudale, autoritäre Schlachtschiffe“. Der zentrale Kritikpunkt, so hieß es weiter, sei die Bestimmung der Theaterleiter durch die Politik, ohne Mitspracherecht der Angestellten. Auch habe der Protest bereits politisch organisierte Formen angenommen, so wollten die Gruppen art but fair und Ensemble-Netzwerk durch „Diskussionen“ und „öffentliches Anprangern“ das als ungerecht empfundene System reformieren.2

Dass das Theater ein politischer Raum ist, der als Verhandlungsort von Herrschaftsverhältnissen fungiert, ließ sich bereits zweihundert Jahre zuvor in Hamburg beobachten. Dort kam es am 20...

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