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Symbolon

Gesellschaft für wissenschaftliche Symbolforschung e. V., Jahrbuch Band 20. Neue Folge

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Edited By Hermann Jung

Band 20 des Jahrbuchs SYMBOLON dokumentiert Vorträge aus unterschiedlichen Disziplinen, die bei den Jahrestagungen der Gesellschaft für wissenschaftliche Symbolforschung e. V. 2012–2014 in Köln, Erfurt und Essen gehalten wurden. Die Beiträge behandeln die folgenden Themenkreise: «Von Schiffen & Fischen. Zeichen und Symbole im Lebensraum Wasser» (Boschs «Versuchungen des hl. Antonius»), «Flüsse & Meere. Symbole und Mythen» (Der «aquatische Stier», Symbolik des Wassers, Symbolik der Muschel, symbolische Darstellung von Wasser in Musik, Ägypten) und «Die Gestirne. Symbole und Mythen» (Symbolik der Gestirne, die Milchstraße, Sonnenpferd und -wagen, Dantes Commedia, Giordano Bruno, Genter Altar, der symbolhafte Achtstern).

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Tagung 2013, Erfurt: Flüsse & Meere. Symbole und Mythen

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Tagung 2013, Erfurt: Flüsse & Meere. Symbole und Mythen Gerald Unterberger Der „aquatische Stier“ Eine mythische Synonymität zwischen Stier und Wasser und die Rolle des Wasserstieres im Schöpfungsgeschehen und im mythischen Weltbau 1. Die Gestalt des Wasserstieres in der deutschsprachigen Sagenwelt Nur wenige Kilometer von meinem Heimatort entfernt, in nördlicher Richtung jenseits des Pyhrn-Passes, befindet sich in der oberösterreichischen Gemeinde Spital am Pyhrn der Gleinkersee, dessen Entstehung in einer örtlichen Sage fol- gendermaßen beschrieben wird: Wo dieser kleine Alpensee heute liegt, waren einst nur herrliche Wiesen und Felder. Da traten auf einmal zwei riesige Prachtstiere von benachbarten Höfen gegeneinander zum Kampf an. Der eine Bulle tötete den anderen, woraufhin ein heftiger Streit zwischen den Bauern entbrannte. Dies endete damit, dass das ganze fruchtbare Weideland im Boden versank und von Wasser überflutet wurde, woraus der heutige See entstand. Im Gleinkersee aber lebt bis in unsre Tage der Stier in Gestalt eines Riesenfisches.1 Eine sehr ähnliche, ätiologische Sage handelt vom Plešné jezero (deutsch: Plö- ckensteiner See), einem kleinen Gletschersee im Böhmerwald in der tschechischen Gemeinde Nová Pec. Der im Gewässer lebende Fisch wird ‚einäugiger Stier‘ ge- nannt, wobei die Einäugigkeit vermutlich eine Reminiszenz an die ‚zyklopische Gestalt‘ dieses Wasserwesens ist. Sagen von Stieren als Bewohner von Seen finden sich auch in der Sagenwelt Deutschlands häufig.2 Oft werden diese Wasserstiere als ‚wild, besonders brüns- tig, zügellos oder Unwesen treibend‘ beschrieben. Sie entsteigen von Zeit zu Zeit ihren...

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