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Christliche Wissenssysteme und «Strategien des Übersetzens» im Missionierungskontext

Die Darstellung der tagalischen Religion im 17. und 18. Jahrhundert

Imke Rath

In ihrer Studie begibt sich die Autorin auf die Suche nach den Spuren einer vergangenen Religion aus den philippinischen Tagalog-Provinzen. Eine Verbindung von diskurs- und begriffsgeschichtlichen Ansätzen mit einer sprachwissenschaftlichen Analyse dient zur Untersuchung der kolonialen und postkolonialen Wissensproduktion und ermöglicht eine Neubewertung des lückenhaften Bildes, das von der Religion vorherrscht. Ziel ist es, exemplarisch den Mehrwert durch die Einbindung des Konzepts der Kulturellen Übersetzung und der «Area Studies» in die kulturhistorische Forschung aufzuzeigen. Am Ende der Studie steht eine neue Interpretation der einzelnen Bestandteile der tagalischen Religion, die als Grundlage für weiterführende Untersuchungen dienen soll.

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3.3.5 Die Darstellung des Limbus’

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3.3.5 Die Darstellung des Limbus’

Der Limbus oder die Vorhölle nimmt in den philippinischen Katechismen keinen großen Raum ein. Die Doctrina Christiana von 1593 erwähnt den Limbus nur indirekt im Rahmen der Aufzählung dessen, was Jesus nach dem Kreuzestod tat. Er sei in die Höllen hinabgestiegen und habe die Seelen der heiligen Väter befreit.1263 Dies ist auch der einzige Zusammenhang, in dem Ortiz die Vorhölle erwähnt, die sowohl im Spanischen als auch auf Tagalog limbo genannt wird.1264 Ripalda folgend nennt Amesquita in der durch Kommentare etwas erweiterten Übersetzung der Beschreibung der vier Höllen die beiden Limbusarten und sagt in jeweils einem Halbsatz, wer dort hinkomme.1265 Lediglich Murillo Velarde erklärt sie ausführlicher innerhalb seiner Aufzählung der vier Orte, an die jene Seelen kommen können, die nicht direkt in den Himmel aufsteigen.

Als ersten beschreibt er den Limbus der Väter. Aufgrund der Sünde Adams1266 seien die Tore des Paradieses mittels eines göttlichen Dekrets geschlossen worden und ein Cherubim mit Feuerschwert habe den Eingang bewacht. Christus habe das Tor mit dem Schlüssel seines Kreuzes wieder geöffnet. Allerdings konnten die Gerechten, die am Anfang der Welt starben, nicht in den Himmel kommen. Sie seien nach ihrem Tod zur Aufbewahrung in den Limbus der heiligen Väter gekommen, der auch Schoß Abrahams genannt werde, aufgrund des Versprechens←289 | 290→ Abrahams, dass ein Messias komme. Dort erlitten sie keine andere Qual als den Entzug...

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