Show Less
Restricted access

Sein, Sinn und Werte

Phänomenologische und hermeneutische Perspektiven des europäischen Denkens

Series:

Yvanka B. Raynova

Das zentrale Anliegen des Buches ist es zu zeigen, dass die Phänomenologie nicht nur aus dem Krisis-Denken entstanden ist, sondern, dass dieses es ihr auch ermöglicht hat, sich immer weiter zu entwickeln. Dadurch ist eine Vielzahl an phänomenologischen Richtungen und Methoden entstanden. Ferner wird gezeigt, inwiefern die Krise der Vernunft zu einer Krise des Sinns und des Seins führt, die wiederum die Werte infrage stellt und eine Wertkrise auslöst. Diese axiologische Unsicherheit, namentlich bei Sartre, Arendt, Ricœur und Derrida, spitzt sich in der Problematik der Verantwortung und des Menschlichen – die Menschenwürde und die Menschenrechte inbegriffen – besonders zu und mündet in die Notwendigkeit eines Umdenkens von Geschichte und Gemeinschaft.

Show Summary Details
Restricted access

2. Sein und Da-Sein: Zur Kritik des transzendentalen Ich

Extract

2. Sein und Da-Sein:Zur Kritik des transzendentalen Ich

In seinem bekannten Buch Der Denkweg Martin Heideggers zeigt Otto Pöggeler, worin der Bruch bzw. die Trennungslinie zwischen der Husserl'schen und der Heidegger'schen Phänomenologie besteht: Im Gegensatz zu Husserl lehnt Heidegger den Weg der transzendentalen Konstitution, begriffen als Leben eines "absoluten Ichs", ab und nimmt das "faktische Leben" als Ausgangspunkt der Phänomenologie an. Diese hat also nicht von der Anschauung von Objekten auszugehen, sondern vom Verstehen des tatsächlichen, "historischen" Lebens bzw. vom seinverstehenden Dasein:

Heidegger gründet die Phänomenologie im 'Verstehen' des faktischen Lebens, in der Hermeneutik der Faktizität'. Die Phänomenologie wird so zur 'hermeneutischen Phänomenologie'" (…) Dieser "geht es darum, Kunde zu bringen vom Sein des Seienden, aber so, dass das Sein selbst zum Scheinen kommt.1

Pöggeler folgert daraus, dass Husserls Tragik darin liege, "dass er, der für die Sachen selbst und gegen alle metaphysischen Konstruktionen gesprochen hatte, zuletzt noch einmal den Weg der metaphysischen Systeme der Neuzeit wiederholte und das nicht einmal sah…"2

Wir finden diese Problematik über den Ausgangspunkt der Phänomenologie nicht nur in der Auseinandersetzung zwischen ← 54 | 55 → Husserl und Heidegger. Sie steht sowohl im Zentrum der späteren Heidegger-Sartre-Debatte als auch im Zentrum von Ricœurs Heidegger-Lektüre. Das Ziel des folgenden Beitrages ist es aufzuzeigen, inwieweit sich die Positionen von Heidegger, Sartre und Ricœur widersprechen bzw. als unvereinbar erweisen, und inwieweit sie sich überkreuzen oder...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.