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Sein, Sinn und Werte

Phänomenologische und hermeneutische Perspektiven des europäischen Denkens

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Yvanka B. Raynova

Das zentrale Anliegen des Buches ist es zu zeigen, dass die Phänomenologie nicht nur aus dem Krisis-Denken entstanden ist, sondern, dass dieses es ihr auch ermöglicht hat, sich immer weiter zu entwickeln. Dadurch ist eine Vielzahl an phänomenologischen Richtungen und Methoden entstanden. Ferner wird gezeigt, inwiefern die Krise der Vernunft zu einer Krise des Sinns und des Seins führt, die wiederum die Werte infrage stellt und eine Wertkrise auslöst. Diese axiologische Unsicherheit, namentlich bei Sartre, Arendt, Ricœur und Derrida, spitzt sich in der Problematik der Verantwortung und des Menschlichen – die Menschenwürde und die Menschenrechte inbegriffen – besonders zu und mündet in die Notwendigkeit eines Umdenkens von Geschichte und Gemeinschaft.

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Einleitung

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In seinem Beitrag "Über die Gründe der Entmutigung auf philosophischem Gebiete" (1874) schildert Brentano, wie er in seiner Studienzeit einem berühmten Historiker begegnet ist, der sich auch mit der Geschichte der Philosophie beschäftigte und seine Erfahrung damit folgendermaßen beschrieb:

Die Geschichte der Philosophie, sagte er, könne man am besten mit einem großen Friedhofe vergleichen. Zahllose Monumente seien da zu sehen; das eine ansehnlicher und prächtiger, das andere niedriger und minder geschmückt; aber auf dem einen wie auf dem anderen lese man dasselbe traurige 'Hic jacet'.1

Daraus folgerte der Historiker, dass die Philosophie keine Zukunft habe und dass ihr auch kein Platz in der Reihe der Wissenschaften gebühre. Leider sei, so Brentano, dieses Misstrauen gegenüber der Philosophie weitgehend verbreitet. Man werfe ihr Mangel an allgemein angenommenen Lehrsätzen und tiefgreifenden Umwälzungen vor, sowie Abstraktheit, Unerreichbarkeit des angestrebten Zieles auf dem Wege der Erfahrung und nicht zuletzt die Unmöglichkeit praktischer Anwendung und Verwertung.2

Auch heute – 150 Jahre später – hören wir dieselben Vorwürfe. Man liest immer wieder in der Presse, die Philosophie sei in einer Sinnkrise und einer Krise der Weltanschauungen,3 sie sei zu "einer Geschichte ihrer selbst geworden"4, sie sei abstrakt und welt ← 7 | 8 → fremd, ohne praktische Anwendung und Bezug zur Realität.5 Der Grund für solche Vorwürfe mag oft an der Inkompetenz der Journalisten liegen, aber nicht nur. Diese Meinungen spiegeln auch gewisse...

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