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Raumbegehren

Zum Flaneur bei W.G. Sebald und Walter Benjamin

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Eva Riedl

Trotz der Aufmerksamkeit, die den gehenden Protagonisten im Prosawerk W.G. Sebalds in der theoretischen Beschäftigung zugekommen ist, hat die Forschung diese bislang nur selten unter der Perspektive «Flaneur» untersucht. Die Autorin widmet sich Sebalds sorgsamen Inszenierungen dieser Fußreisen und verfolgt sie kritisch vor W.G. Sebalds Benjamin-Lektüre. Sie zeigt, dass die als widersprüchlich aufgefasste Aneignung der Figur durch Walter Benjamin eine Chance ist, das Zugleich von intensiven, im Übergang befindlichen und zerstörerischen Formen der Flanerie in Sebalds Texten aufzuzeigen. Der Flaneur ist ein auffälliger Körper: Wie dessen epiphanische, intensive und vernichtende Gesten in Sebalds theoretisches und literarisches Schreiben eingehen, verfolgt dieses Buch.

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I. Einleitung

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I.  Einleitung

I.1  Virulenzen des Gehens

Die überdeutliche Rolle, die das Gehen in den Prosatexten W.G. Sebalds spielt, die ihre Protagonisten im „stundenlang fortgesetzte[n] Kreuzundquergehen in der Stadt“ (SG, 40) und auf „anscheinend end- und ziellose[n] Wege[n]“ durch Wien, Antwerpen, Manchester oder durch die Peripherien Suffolks zeigen, ist bislang nur selten mit der Perspektive eines Flaneurs zusammengebracht worden.

Sebald äußert in einem Interview zur Genese seiner „Universalgeschichte“, er betreibe diese auf „sehr amateurhafte Weise“: „Also es liegt da irgendwelcher Unrat am Wegrand sozusagen, man stößt zufällig mit dem Fuß an irgendein Bruchstück“1. Dieser amateurhaften Weise wendet sich dieser Text zu. Die sorgsame Inszenierung von Sebalds Prosa als Fußreise, die darauf besteht, Artefakt und Bruchstücke buchstäblich mit den Füßen aufgelesen zu haben, deutet auf eine Figur des Flaneurs hin, die, wie Walter Benjamin erschlossen hat, mit den Sohlen erinnert (GS V.1, 524) und als „Priester des genius loci“ (GS III, 196) auf dem Asphalt unterwegs sein will. Sebalds Fußreisen, denen das Durchwandern der Räume als Beglaubigung dient, für eine „sensuelle Konfrontation mit diesen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem distanzloseren, nicht an einer systematisierenden Übersicht, sondern am empathischen Nachvollzug interessierten Zugang zur Geschichte“2, sollen hier unter die Perspektive ‚Flaneur‘ eingerückt werden, um zu erschließen, wie es um den „unscheinbaren Passant mit der Priesterwürde und dem Spürsinn eines Detektivs“ (GS III, 196) bei...

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