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Raumbegehren

Zum Flaneur bei W.G. Sebald und Walter Benjamin

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Eva Riedl

Trotz der Aufmerksamkeit, die den gehenden Protagonisten im Prosawerk W.G. Sebalds in der theoretischen Beschäftigung zugekommen ist, hat die Forschung diese bislang nur selten unter der Perspektive «Flaneur» untersucht. Die Autorin widmet sich Sebalds sorgsamen Inszenierungen dieser Fußreisen und verfolgt sie kritisch vor W.G. Sebalds Benjamin-Lektüre. Sie zeigt, dass die als widersprüchlich aufgefasste Aneignung der Figur durch Walter Benjamin eine Chance ist, das Zugleich von intensiven, im Übergang befindlichen und zerstörerischen Formen der Flanerie in Sebalds Texten aufzuzeigen. Der Flaneur ist ein auffälliger Körper: Wie dessen epiphanische, intensive und vernichtende Gesten in Sebalds theoretisches und literarisches Schreiben eingehen, verfolgt dieses Buch.

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VI. Schwellenräume

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VI.  Schwellenräume

VI. 1  Flanerie an der Schwelle: Panorama und Detail

Das Phänomen der Flanerie entsteht selbst an einer spezifischen Schwellensituation. Der Flaneur tritt, wie alle „phantasmagorischen Typen“ auf die Schwelle zwischen optischer Erfahrung und haptischen Erlebnis, wie es der Kunstwerk-Aufsatz aufgenommen hat.843 Wie es Sebald im Kafka im Kino-Essay seismisch aufzeichnet, hält es den Blickgierigen nicht mehr in seinem Zimmer: Mit „unstillbarer Gier“ oder „Neugierde“ suche Kafka, „‚gewichtlos, knochenlos, körperlos‘“ auf der Straße nach Bildern als „Futter“ und „Ersatz für ein Leben, das er nicht haben konnte“ (CS, 202) bzw. gerät er in jenen „anamnetischen Rausch“, in dem der Flaneur seine Nahrung ‚sauge‘, „nicht nur aus dem, was ihm da sinnlich vor Augen kommt“ (GS V.1, 525).

Die Relation zwischen den beiden Wahrnehmungsbedürfnissen, dem angesichts fragmentierter Perzeption der großstädtischen Realität nach einem stabilen, mithin „wahren Über-Blick“ (UH, 73) und der Lust nach zerstreuender Entgrenzung, nach sinnlich-taktilen Bezug zur Großstadt, geht kaum irgendwo so deutlich ein wie in das Raumbegehren der Figur des Flaneurs.

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