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Raumbegehren

Zum Flaneur bei W.G. Sebald und Walter Benjamin

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Eva Riedl

Trotz der Aufmerksamkeit, die den gehenden Protagonisten im Prosawerk W.G. Sebalds in der theoretischen Beschäftigung zugekommen ist, hat die Forschung diese bislang nur selten unter der Perspektive «Flaneur» untersucht. Die Autorin widmet sich Sebalds sorgsamen Inszenierungen dieser Fußreisen und verfolgt sie kritisch vor W.G. Sebalds Benjamin-Lektüre. Sie zeigt, dass die als widersprüchlich aufgefasste Aneignung der Figur durch Walter Benjamin eine Chance ist, das Zugleich von intensiven, im Übergang befindlichen und zerstörerischen Formen der Flanerie in Sebalds Texten aufzuzeigen. Der Flaneur ist ein auffälliger Körper: Wie dessen epiphanische, intensive und vernichtende Gesten in Sebalds theoretisches und literarisches Schreiben eingehen, verfolgt dieses Buch.

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VIII. Zum Abschluss

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VIII.  Zum Abschluss

Im zweiten französischsprachigen Exposé von 1939, Paris, Capitale du XIXème siècle, fügt Benjamin einen Schlussteil hinzu, der seine Beschäftigung mit Auguste Blanquis kosmologischer Spekulation L’éternité par les astres überliefert. In einem Brief an Horkheimer von 1938 berichtet Benjamin von der außergewöhnlichen Entdeckung dieser Schrift, die Blanqui 1872 nach der Niederschlagung der Kommune im Gefängnis Fort du Taureau anfertigt. Trotzdem der Charakter der Schrift als „abgeschmackt und banal“ (GS I.3, 1071) bezeichnet wird, verspricht sich Benjamin von ihr hohen Erkenntnisgewinn. An dieser „furchtbarsten Anklage gegen eine Gesellschaft, die dieses Bild des Kosmos als ihre Projektion an den Himmel wirft“, weist Benjamin die Vorstellung einer ewige Wiederkehr aus, die zehn Jahre vor Nietzsche, „kaum minder pathetisch und mit größter halluzinatorischer Kraft“ (GS V.2, 1257), einhergehe.

‚Das ganze Universum besteht aus Sternensystemen. Um sie zu schaffen, hat die Natur nur hundert Elemente zur Verfügung. […] Um den Raum auszufüllen, muß die Natur ihre ursprünglichen Kombinationen und Typen ad infinitum wiederholen. Es muß deshalb jeden Stern in Zeit und Raum unendliche Male geben, nicht bloß so, wie er einmal erscheint, sondern nach jedem Augenblick seiner Dauer von seinem Entstehen bis zu seinem Untergang. Solch ein Stern ist die Erde. Darum ist auch jedes Menschenwesen ewig in jedem Augenblick seiner Existenz. Das, was ich in diesem Augenblick in einer Zelle des Fort Du Taureau schreibe, das habe ich geschrieben und das werde...

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