Show Less
Restricted access

Business-Fiktionen und Management-Inszenierungen

Series:

Edited By Yvette Sánchez

Seit der Finanz-und Wirtschaftskrise von 2008 ist ein Anstieg literarischer und literaturkritischer Auseinandersetzungen mit der Figur des Managers und den Mechanismen der Geschäftswelt zu vermerken. Gleichzeitig setzen Unternehmen vermehrt auf das Distinktionsmerkmal der Kreativität. Dazu gehören die Methoden des Storytelling sowie der kunstbasierten Interventionen zur Personalentwicklung oder die Zusammenarbeit mit professionellen Theaterleuten an Aktionärsversammlungen.

Die in diesem Band vereinten vierzehn Beiträge aus verschiedenen Disziplinen testen die Grenzen zwischen den Künsten und der Wirtschaft. Es wird unter anderem die These aufgestellt, dass die Fiktionalitätsanteile in Romanen oder Theaterstücken niedriger ausfallen als in deklariert lebensweltlichen Inszenierungen von Managern.

Show Summary Details
Restricted access

„Pour your heart into it“ – Inszenierungs- und Emotionalisierungsstrategien eines Managers (Anne-Berenike Rothstein)

Extract

Anne-Berenike Rothstein (Universität Konstanz)

„Pour your heart into it“ – Inszenierungs- und Emotionalisierungsstrategien eines Managers

1. Von Eroberern, Königen und Arbeitern – (Selbst-)Stilisierungen eines Managers

„The only thing standing between you and your goal is the bullshit story you keep telling yourself as to why you can’t achieve it”1.

„You have to be authentic, you have to be true, and you have to believe in your heart that this is going to work“2.

Die Lebenswege erfolgreicher Manager bieten für die Gesellschaft eine medial breit aufbereitete Plattform, sich mit eigenen Wünschen und Zielen auseinanderzusetzen. Ehrgeiz und Engagement scheinen dem Betrachter Ingredienzien dieses finanziell beeindruckenden und daher oftmals bewunderten Erfolgs. Beide Eingangszitate reflektieren diesen wirtschaftlichen Aufstieg, sprechen den Zuhörer bzw. Zuschauer auf einer persönlichen Ebene an und zielen doch auf ganz unterschiedliche Charaktereigenschaften ab: Jordan Belfort3 rekurriert letztlich auf den Kampf mit sich selbst, während sich Starbucks-CEO Howard Schultz mit seiner Außenwirkung („authentic”, „true”) auseinandersetzt und sein Herz als ultimativen Ratgeber angibt, d. h. ganz explizit die Gefühlsebene anspricht. Diese Gefühlsbetonung eines←77 | 78→ wirtschaftlichen Anliegens ist ein beliebtes und nicht unbedingt innovatives Überzeugungs- und Selbstinszenierungsinstrument. Da diese Emotionalisierung bis hin zur Sentimentalisierung jedoch bei Howard Schultz systematisch mit Fiktionalisierung und Dramatisierung einhergeht, bietet seine Selbstinszenierung für den vorliegenden Sammelband einen idealen Untersuchungsgegenstand. Der folgende Beitrag widmet sich visuellen und rhetorischen (Selbst-)Darstellungsstrategien Howard Schultz‘, die u. a. an einem...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.