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Business-Fiktionen und Management-Inszenierungen

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Edited By Yvette Sánchez

Seit der Finanz-und Wirtschaftskrise von 2008 ist ein Anstieg literarischer und literaturkritischer Auseinandersetzungen mit der Figur des Managers und den Mechanismen der Geschäftswelt zu vermerken. Gleichzeitig setzen Unternehmen vermehrt auf das Distinktionsmerkmal der Kreativität. Dazu gehören die Methoden des Storytelling sowie der kunstbasierten Interventionen zur Personalentwicklung oder die Zusammenarbeit mit professionellen Theaterleuten an Aktionärsversammlungen.

Die in diesem Band vereinten vierzehn Beiträge aus verschiedenen Disziplinen testen die Grenzen zwischen den Künsten und der Wirtschaft. Es wird unter anderem die These aufgestellt, dass die Fiktionalitätsanteile in Romanen oder Theaterstücken niedriger ausfallen als in deklariert lebensweltlichen Inszenierungen von Managern.

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Arkadische Wirtschaft: Der Weg des Schäfers vom ‚Unternehmer‘ zum Lohnarbeiter, oder von der Entdeckung des Mehrwerts in der arkadischen Welt (Reinhard Krüger)

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Reinhard Krüger (Universität Stuttgart)

Arkadische Wirtschaft: Der Weg des Schäfers vom ‚Unternehmer‘ zum Lohnarbeiter, oder von der Entdeckung des Mehrwerts in der arkadischen Welt

„toy ny ta trouppe ne sentez gueres

les brebis ny les chevres“

Honoré d’Urfé: Widmungsschreiben an seine Romanheldin Astrée, 1607

1. Der Romanhirte als Unternehmer?

Daß die Fiktionen arkadischer Welten in der frühneuzeitlichen Literatur mit dem Wirtschaften zu tun haben, ist eigentlich so offensichtlich, daß man sich wundert, daß dieses Thema noch niemals in der Forschung behandelt worden ist. Der Schäfer ist nämlich der einzige Berufsstand, dessen Tätigkeit in bemerkenswertem Umfang Gegenstand der Literatur geworden ist.

Somit liegt das Thema des ökonomischen Handelns eigentlich auf der Hand; denn wenigstens in Spanien und vor allem in England wird die Ökonomie des Mittelalters und der Frühen Neuzeit durch das Aufkommen der Schafweidewirtschaft und der Produktion einer exzeptionellen Wollqualität so sehr verändert, daß die sogenannte ursprüngliche Akkumulation des Kapitals in die Gänge kommt.1 Die Schafweidewirtschaft steht damit am Beginn der Entwicklung des modernen Kapitalismus. Wenn also die Romanschäfer von ihren Autoren mit ihren imaginären Herden in Bewegung gesetzt werden, um auf die Weiden zu ziehen, dann geht es zunächst nicht um die poetische Inszenierung einer Freizeitbeschäftigung, sondern es steht im Hintergrund auch immer die Idee, daß diese Handlung mit der←157 | 158→ Absicht betrieben wird, durch die zielgerichtete...

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