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Business-Fiktionen und Management-Inszenierungen

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Edited By Yvette Sánchez

Seit der Finanz-und Wirtschaftskrise von 2008 ist ein Anstieg literarischer und literaturkritischer Auseinandersetzungen mit der Figur des Managers und den Mechanismen der Geschäftswelt zu vermerken. Gleichzeitig setzen Unternehmen vermehrt auf das Distinktionsmerkmal der Kreativität. Dazu gehören die Methoden des Storytelling sowie der kunstbasierten Interventionen zur Personalentwicklung oder die Zusammenarbeit mit professionellen Theaterleuten an Aktionärsversammlungen.

Die in diesem Band vereinten vierzehn Beiträge aus verschiedenen Disziplinen testen die Grenzen zwischen den Künsten und der Wirtschaft. Es wird unter anderem die These aufgestellt, dass die Fiktionalitätsanteile in Romanen oder Theaterstücken niedriger ausfallen als in deklariert lebensweltlichen Inszenierungen von Managern.

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Der Manager: Künstler oder Artist? Erkenntnisse aus drei aktuellen deutschsprachigen Businessromanen (Christine Künzel)

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Christine Künzel (Universität Hamburg)

Der Manager: Künstler oder Artist? Erkenntnisse aus drei aktuellen deutschsprachigen Businessromanen

Während das deutschsprachige Theater die Welt des Business, der Manager und Unternehmensberater bereits in den 1990er Jahren für sich entdeckt und überzeugende Projekte entwickelt hat – zu nennen sind in diesem Kontext insbesondere Urs Widmers Top Dogs (1996), Kathrin Rögglas wir schlafen nicht1 (2004) und Falk Richters Unter Eis (2004) –, scheint sich die deutschsprachige Prosa – bis auf einige wenige Ausnahmen2 – erst seit der letzten Finanzkrise von 2008 intensiver mit ökonomischen Themen, genauer gesagt, dem Finanzbusiness und seinen Protagonisten, zu beschäftigen. Im Gegensatz zur anglo-amerikanischen Literatur, in der die Darstellung der Geschäftswelt und von ökonomischen Zusammenhängen zu den traditionellen literarischen Topoi zählen, wirkten die meisten deutschsprachigen Romane, die relativ schnell zur bzw. nach der Finanzkrise erschienen, eher bemüht.3 Man merkt diesen Werken nicht allein an, dass die Autorinnen und Verlage hier eine Marktlücke witterten, die es – zunächst einmal egal wie – zu füllen galt, sondern auch, dass den Schriftsteller_innen das Metier der Wirtschaft eher fremd war. Entsprechend klischeehaft fielen diese Romane dann auch aus. Angesichts der Tatsache, dass ein Autor wie Don DeLillo das brillante literarische Porträt eines Währungsspekulanten in dem Roman Cosmopolis 2003, also bereits fünf Jahre vor der Finanzkrise,←229 | 230→ vorlegte, kann das Niveau der Auseinandersetzung sowie die literarische Qualität der ersten deutschsprachigen Post-Finanzkrisen-Romane nicht anders als dürftig bezeichnet werden.

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