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Business-Fiktionen und Management-Inszenierungen

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Edited By Yvette Sánchez

Seit der Finanz-und Wirtschaftskrise von 2008 ist ein Anstieg literarischer und literaturkritischer Auseinandersetzungen mit der Figur des Managers und den Mechanismen der Geschäftswelt zu vermerken. Gleichzeitig setzen Unternehmen vermehrt auf das Distinktionsmerkmal der Kreativität. Dazu gehören die Methoden des Storytelling sowie der kunstbasierten Interventionen zur Personalentwicklung oder die Zusammenarbeit mit professionellen Theaterleuten an Aktionärsversammlungen.

Die in diesem Band vereinten vierzehn Beiträge aus verschiedenen Disziplinen testen die Grenzen zwischen den Künsten und der Wirtschaft. Es wird unter anderem die These aufgestellt, dass die Fiktionalitätsanteile in Romanen oder Theaterstücken niedriger ausfallen als in deklariert lebensweltlichen Inszenierungen von Managern.

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Leidenschaftlicher Kapitalismus. Reinald Goetz’ ‚Johann Holtrop’ als literarische Fiktion des Managements (Birger P. Priddat)

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Birger P. Priddat (Universität Witten/Herdecke)

Leidenschaftlicher Kapitalismus. Reinald Goetz’ ‚Johann Holtrop’ als literarische Fiktion des Managements

Die Zeit der Finanzkrisen- und Managerverhaltensromane ist gekommen. Rainald Goetz’ Roman ‚Johann Holtrop’ (Goetz 2012) gehört in diesen Reigen.1 Auf der ersten Seite des Romans wird der Tenor des Buches einleitend vorgestellt: das „kaputte Deutschland“, „hysterisch kalt“ und „verblödet“. Es folgen die Worte „Gier“, „Eigennutz“, „Geld“ und der Hinweis auf „das Phantasma der totalen Herrschaft des Kapitals“. Die literarische Temperatur wird angezeigt. Es erinnert im Jargon etwas an Jörg Schröders „Siegfried“ (1984), nur ohne dessen freakiger nonchalance.2 Als Roman hat das Buch aber Qualitäten in der Beschreibung der Usancen von Managern im Umgang untereinander. Darin sind fünf Fiktionslinien verschachtelt, die verschiedene Erzählformen des Managementverhaltens bergen.

Fiktionslinie 1: der Manager als Neurotiker in einem neurotischen Milieu

Das Psychogramm, das Goetz für Holtrop entwirft, ist das eines lusty boy, dessen Charme sein einziges human capital zu sein scheint. Ansonsten häufen sich Zusammenhangslosigkeit, Fehleinschätzung (seiner selbst wie anderer) und leerlaufende Dynamik und führt ihn vor wie einen ego-besoffenen Verantwortungslosen. Goetz benutzt ihn als anchorman für seine Beobachtungen des Managerumgangs untereinander, die eine beachtliche Einschätzungsfähigkeit aufweisen. Wir bekommen einen Opportunismuszirkus vorgeführt von Figuren, die sich untereinander auf Fehler, Hier←255 | 256→ achiepositionierungen und Karrieretaktiken beobachten, sich ausschalten, fördern und ignorieren. Die jeweiligen Passagen des Buches sind der kostbarere Teil des Romans. Es ist...

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