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Ausbau mehrsprachiger Repertoires im Two-Way-Immersion-Kontext

Eine ethnographisch-linguistische Langzeituntersuchung in einer deutsch-italienischen Grundschulklasse

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Reseda Streb

Anhand empirischer Daten geht die Autorin der Frage nach, wie Kinder gleichzeitig in zwei Sprachen lesen, schreiben und sprechen lernen. Über einen Zeitraum von vier Jahren erhob sie Daten, um die bilinguale Sprachpraxis in einem deutsch-italienischen Two-Way-Immersion-Projekt zu untersuchen.

Unter der Annahme, dass sich Repertoires durch sprachliches Handeln ausbauen und umformen, analysiert sie die im Unterrichtskontext und in Interviews entstandenen Beobachtungen im Zusammenhang mit den persönlichen Daten der SprecherInnen. Dabei kommt die Autorin zu dem Ergebnis, dass der Sprachausbauprozess sehr individuell verläuft und die Two-Way-Immersion hierbei eine Methode ist, sprachlicher Heterogenität in der Klasse gerecht werden zu können.

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Einleitung

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Im Titel der Doktorarbeit geht das Zitat [ma ke ‘unbravo] dem aktuellen Titel voran. Hierbei handelt es sich um die Aussage eines bilingualen Schülers, der in eine deutsch-italienische Two-Way-Immersion-Grundschulklasse in Frankfurt am Main geht. Angelehnt an die Aussage der Lehrerin it. „ma che bravo“ (dt. im Sinne von das hast du gut gemacht), scherzt der Schüler mit einem Klassenkameraden, indem er die Aussage der Lehrerin ins Gegenteil umwandelt. Da ihm in diesem Moment das italienische Sprachwissen fehlt, um die Aussage vollständig auf Italienisch zu formulieren, greift er auf sein Wissen deutscher Sprachstrukturen, im konkreten das der deutschen Wortbildung, zurück. Er stellt den deutschen Präfix un- proklitisch dem italienischen Adjektiv bravo voran (wie bei der Wortbildung des Gegenteils von höflich: unhöflich) und erzeugt eine zweisprachige Aussage.

Das komplexe Sprachwissen mehrsprachiger Kinder wird im deutschen Schulsystem leider nur selten aufgegriffen und gereicht im Sinne des „monolingualen Habitus“ (Gogolin 1994) vielen SchülerInnen zum Nachteil in ihrer Schullaufbahn. Die Two-Way-Immersion-Methode ist ein Unterrichtsmodell, das das sprachliche und kulturelle Wissen zweier Sprachen/Kulturen aufzugreifen und wertzuschätzen weiß. So kann bilinguale Sprachpraxis im Unterricht als Ressource für den Ausbau mehrsprachiger Repertoires verwendet werden.

Diese ethnographisch-linguistische Langzeituntersuchung hat sich die Auseinandersetzung mit dem Ausbau mehrsprachiger Repertoires zur Aufgabe gemacht. Über vier Jahre hinweg wurde ein- und dieselbe Grundschulklasse regelmäßig in Form von teilnehmender Beobachtung in ihrem Schulalltag begleitet, um die bilinguale Sprachpraxis und die bilingualen Ausbauangebote der LehrerInnen zu ergünden....

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