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Historische und systematische Fallstudien in Religion und Politik vom Mittelalter bis ins 21. Jahrhundert

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Arno Strohmeyer and Lena Oetzel

Das Buch untersucht in unterschiedlichen räumlichen Kontexten den Zusammenhang von Religion und Politik vom 7. Jahrhundert bis in die jüngste Vergangenheit. Aus historischer, theologisch-systematischer und literaturwissenschaftlicher Perspektive werden die Verflechtung der Religion mit Macht und Gewalt sowie der Umgang mit religiöser Pluralität in der Vergangenheit vor Augen geführt. Besondere Aufmerksamkeit finden die Weltreligionen Christentum und Islam. Die AutorInnen analysieren die Wurzeln aktueller Problemlagen und die vielfältige politische Instrumentalisierung des Religiösen sowie die Grundkonstellationen im historischen Wandel.

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Einleitung (Arno Strohmeyer)

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Arno Strohmeyer

Einleitung

Für das Verständnis der Vergangenheit sind Zäsuren eine unerlässliche Hilfe, denn es handelt sich um markante Einschnitte, die das Ende einer alten und den Beginn einer neuen Epoche markieren. Oftmals kommt es zu einem spektakulären Ereignis, das den weiteren Verlauf der Geschichte irreversibel beeinflusst. Gleichzeitig öffnen sie die Augen für fundamentale Problemlagen, schon länger schwelende Konflikte und die historischen Wurzeln wirkungsmächtiger Prozesse. Beispiele aus der Zeitgeschichte bilden die Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand 1914 in Sarajewo, die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki 1945 und der Fall der Berliner Mauer 1989. Als fundamentale Brüche der Frühen Neuzeit gelten etwa die Entdeckung Amerikas 1492, die Veröffentlichung der Thesen Martin Luthers 1517, der Sturm auf die Bastille 1789 und der Abschluss des Wiener Kongresses 1815. Bedeutende Wendepunkte der mittelalterlichen Geschichte sind beispielsweise der Tod Mohammeds 632, die Kaiserkrönung Karls des Großen 800 und die Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen 1453. Nicht immer ist der elementare Charakter einer Begebenheit sofort erkennbar, die Erfahrungen und Wahrnehmungen der Zeitgenossen können sich zudem von der nachträglichen Beurteilung der HistorikerInnen unterscheiden. Zäsuren sind daher mitunter umstritten.

Bei einem Ereignis der jüngsten Vergangenheit ist die Ansicht, es handle sich um einen Wendepunkt, bei den Zeitgenossen ebenso weit verbreitet wie auf der rückblickenden Deutungsebene: Gemeint sind die Terroranschläge am 11. September 2001 auf wichtige zivile und...

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