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Stadtbürgerliche Verwandtschaft und kirchliche Macht

Karrieren und Netzwerke Lübecker Domherren zwischen 1400 und 1530

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Anja Voßhall

Diese Untersuchung folgt der jüngeren Dom- und Stiftskapitelforschung, die sich der Verflechtungsanalyse bedient. Die Studie wendet diesen sozialgeschichtlichen Forschungsansatz erstmals auf ein norddeutsches, stadtbürgerlich geprägtes Domkapitel an. Die übergeordnete These fragt nach den Besetzungsmechanismen am Lübecker Kapitel zwischen 1400 und 1530. Auf der Grundlage eines Personenkatalogs werden Herkunft und Karrieren der Domherren untersucht. Wesentlichen Anteil nimmt die Analyse der sozialen Verflechtungen der Kleriker in Lübeck, in der Region, an den Universitäten und in Rom. Der päpstliche Einfluss und die Präsenz der Kanoniker am Tiber wird erstmals gleichgewichtet berücksichtigt. So gelingt es, das Bild der «Kurienferne» für das Lübecker Domkapitel deutlich zu korrigieren.

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A. Einleitung

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A. Einleitung

Item so wetet, dat der proves van Lubeke doet is; God hebbe syne sele, und er waz hyr und wolde dem hylgen grafe ten: und ydelman, der sprekt, nu der proves doet is, nu is Lodewykez vordorven, der Wale, de to Lubeke lycht, wente der proves halp em to male sere; und Lodewykez makede nůmmer en wessel, der proves lofede dar vor, wente de lude woldem em sulven nycht loven.1

Eine unangenehme Nachricht musste Peter Karbow seinem Handelspartner Hildebrand Veckinchusen 1409 in einem Brief aus Venedig nach Brügge übersenden: Durch den Tod des Lübecker Dompropstes Nikolaus de Insula im Juli 1409 würden wahrscheinlich die Wechselgeschäfte, die durch den italienischen Bankier Ludovico Baglioni unternommen wurden, ins Stocken geraten, da dieser in der Hansestadt ohne seinen Fürsprecher keinen guten Stand habe. Der Kaufmann sagte dem Italiener an der Trave ein schnelles Ende seiner Geschäfte voraus.

Mitnichten war der Wale nach 1409 jedoch vordorven. Vielmehr folgten auf den Bankier weitere italienische Korrespondenten der Medici, nämlich der ehemalige gharzone Baglionis, Gherardo Bueri, sowie als dessen Nachfolger Francesco Rucellai und Niccolò Bonsi.2 Alle vier hatten als Vertreter der Medici-Bank seit der Ankunft Baglionis in Lübeck um 1405 vor allem einen Kommittenten: die päpstliche Kurie.3 Insbesondere die Einnahmen der Papstkirche aus dem Ostseeraum – Annaten, Servitien, Ablässe oder Kirchensteuern4 – konnten in der Travestadt gesammelt werden, um von dort in den „unsichtbaren Kanälen des bargeldlosen Transfers“5 zu...

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