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Stadtbürgerliche Verwandtschaft und kirchliche Macht

Karrieren und Netzwerke Lübecker Domherren zwischen 1400 und 1530

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Anja Voßhall

Diese Untersuchung folgt der jüngeren Dom- und Stiftskapitelforschung, die sich der Verflechtungsanalyse bedient. Die Studie wendet diesen sozialgeschichtlichen Forschungsansatz erstmals auf ein norddeutsches, stadtbürgerlich geprägtes Domkapitel an. Die übergeordnete These fragt nach den Besetzungsmechanismen am Lübecker Kapitel zwischen 1400 und 1530. Auf der Grundlage eines Personenkatalogs werden Herkunft und Karrieren der Domherren untersucht. Wesentlichen Anteil nimmt die Analyse der sozialen Verflechtungen der Kleriker in Lübeck, in der Region, an den Universitäten und in Rom. Der päpstliche Einfluss und die Präsenz der Kanoniker am Tiber wird erstmals gleichgewichtet berücksichtigt. So gelingt es, das Bild der «Kurienferne» für das Lübecker Domkapitel deutlich zu korrigieren.

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F. Schluss

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F. Schluss

In einem Reformtraktat, das im Jahr 1433 auf dem Basler Konzil verfasst wurde, prangert der Verfasser die Zustände des Pfründenerwerbs seiner Zeit an: Die ganze Welt sei voll von Expektanzen und päpstlichen Begünstigungen, welche Zwietracht, Streit und sogar Mord hervorriefen. Mit Schwertern und Knüppeln kämpften die Geistlichen angeblich um den Erhalt freier Benefizien, da für eine Pfründe etliche Reservationen ausgestellt würden. Weil unendlich viele Kleriker (infiniti clerici) auf der Reise zur päpstlichen Kurie in miseriis perduntur et moriuntur, solle zukünftig ausschließlich der ordentliche Kollator, nicht zuletzt aufgrund seines ius antiquus, befugt sein, Benefizien zu vergeben. In dem darauf folgenden Abschnitt wird hinzugefügt, dass dies insbesondere für die Kanonikate an den Stifts- und Domkapiteln gelten solle. Man ahnte bereits: illud totaliter in hoc concilio obtineri non posset.1662

Geschrieben wurden diese Zeilen vom Lübecker Bischof Johannes Schele, der als Kompilator die Forderungen der Basler Zusammenkunft in dem Traktat Avisamenta reformacionis in curia et extra verschriftlichte. Dem gebürtigen Hannoveraner Schele gelang es ohne den Einfluss eines außerordentlichen Kollators, zahlreiche Pfründen zu erwerben. Doch auch seine Karriere kann nur unter der Berücksichtigung der päpstlichen Kurie beschrieben werden, da neben den sozialen Verflechtungen nicht zuletzt die im Dienst der Kurie erworbenen Qualifikationen und Bekanntschaften ihm den Weg zur Bischofswürde an der Trave ebneten, für deren Übernahme er einer päpstlichen Konfirmation bedurfte.

Die vorliegende Arbeit...

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