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Österreichische Landesausstellungen

Entstehung, Funktion & regionale Bedeutung

Regina Stein

Nahezu jeder in Österreich kennt sie: Landesausstellungen. Doch weshalb und durch wen werden sie organisiert und was macht sie so besonders? Seit wann und an welchen Orten finden Landesausstellungen statt und welchen Nutzen bringen sie in der Peripherie? Auf welche Weise verändern sie Blickwinkel – und sind Landesausstellungen heute nicht eigentlich überholt?

Diesen und anderen Fragen geht die Autorin in ihrer Studie nach: Sie befragt Ausstellungskuratoren und Kulturpolitiker, Architekten und Gestalter, Denkmalpfleger und Tourismusplaner, recherchiert auf Burgen, in Museen, Archiven, Klöstern, Kirchen, Gärten, Bergwerken und Kasematten – und stößt auf ein facettenreiches und buntes Bild lebendiger regionaler Identitäten, die zusammen eines ausmachen: das Kulturland Österreich.

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B. Regionalisierung – Verankerung von Heimat und Kulturerbe

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B.1. Niederösterreich – Die Wiege der österreichischen Landesausstellungen (1951–1960)

Einführend soll ein Blick auf die Museums- und Ausstellungslandschaft der Nachkriegszeit in Niederösterreich geworfen werden, um die materiellen und organisatorischen Bedingungen zu begreifen, die die kulturpolitischen Überlegungen jener Zeit entscheidend prägten. Vor diesem zeitgeschichtlichen Hintergrund müssen die Landesausstellungen verstanden werden.

Die Geschichte niederösterreichischer Museen und Sammlungen geht – besonders im kirchlichen und profan-adligen Bereich – bis Anfang des 19. Jahrhunderts zurück. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann eine Konsolidierungsphase, die bis etwa 1960 dauerte.195 Im östlichen Niederösterreich zeigten sich zum Ende des Zweiten Weltkrieges die Kriegsauswirkungen in ganz besonderem Ausmaß: Etwa ein Drittel der gesamten österreichischen Kriegsschäden entfielen auf Niederösterreich, wobei sämtliche Donaubrücken als Nord-Süd-Verbindung des Landes, etwa ein Neuntel der Verkehrsbrücken sowie Tausende Straßenkilometer zerstört und Baumaschinerien verschleppt worden waren. Das in weiten Bereichen landwirtschaftlich geprägte Niederösterreich hatte mehr als 80 % aller kriegszerstörten österreichischen Bauernhöfe zu beklagen, ein Viertel sämtlicher Gebäude war beschädigt, 320 Fremdenverkehrsbetriebe waren total, fast 1.000 teilweise zerstört.196 Wirtschaftliche und geographische Aufgabe Niederösterreichs war es – aufgrund seiner exponierten Lage als Grenzland zu zwei Seiten – bis dahin gewesen, als „Kornkammer“ Wiens zu dienen.

Viele Museen konnten ihre Sammlungen aufgrund von Kriegsverlagerungen oder Kriegsschäden gar nicht oder nur unter provisorischen Bedingungen der Öffentlichkeit präsentieren. Beim Wiederaufbau versuchte man, auch neue Präsentationsformen zu ber...

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