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Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 - Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 10

Series:

Jianhua Zhu, Michael Szurawitzki and Jin Zhao

Der Band dokumentiert die Sektionen aus dem Bereich Literaturwissenschaften auf dem IVG-Kongress 2015. Er beginnt mit der Sektion «Experimentelle Gegenwartsliteratur». Darauf folgt die Sektion «Neue Realismen. Formen des Realismus in der Gegenwartsliteratur», bevor die Sektion «Ökologie und Umweltwandel in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur» dokumentiert wird. Die Sektion «Entwicklungstendenzen der deutschen Literatur nach 1989/90. Neueste deutschsprachige Literatur als Speicher zeitgenössischer Identitätsmodelle» beschließt den Band.

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Unausgesetzte Avantgarde. Lyrische Experimente bei Herta Müller und Michael Lentz (Christoph Kleinschmidt)

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Christoph Kleinschmidt (Tübingen, Deutschland)

Unausgesetzte Avantgarde. Lyrische Experimente bei Herta Müller und Michael Lentz

Die experimentelle Lyrik der Gegenwart orientiert sich in auffälliger Weise an den Spielformen poetischer Sprachexperimente, wie sie von den Avantgarden zwischen 1910 und 1925 ausgeprägt wurden und im Rahmen der Konkreten Poesie in den 1950er und 60er Jahren eine Neuauflage erlebt haben. Eine Bezugnahme auf das Experimentelle der Vergangenheit läuft allerdings stets Gefahr, mit dem Gestus des Provokativen auch den des Überkommenen zu importieren. Wenn man das Experimentelle als den Bruch mit dem Bestehenden und als Wagnis eines Neuen versteht, das die gewohnten Wahrnehmungsmuster durch innovative Formvarianten irritiert, dann ist ihm ein Verbrauch dieses Innovativen bereits inhärent. Dialektisch betrachtet wird das Experimentelle immer wieder selbst zur Norm, die nach Überwindung verlangt. Anhand zweier Beispiele aus der Gegenwartsliteratur soll deshalb sondiert werden, ob das Experimentelle heute zu einem formalen Eklektizismus gerät oder ob tatsächlich noch neue Varianten ausgebildet werden können.

1. Die Ordnung der Collage. Herta Müllers Text-Bild-Experimente

Herta Müllers Text-Bild-Bände wie Im Haarknoten wohnt eine Dame (2000), Die blassen Herren mit den Mokkatassen (2005) oder Vater telefoniert mit den Fliegen (2012) stellen intermateriale Hybridgebilde dar, die auf den ersten Blick äußerst experimentell wirken. Dabei versteht sie selbst das Ausschneiden und Collagieren von Wortschnipseln als keineswegs so verschieden von herkömmlichen Formen der literarischen Texproduktion, rückt jedoch das Kriterium des Zufalls stärker in den...

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