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Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 - Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 10

Series:

Jianhua Zhu, Michael Szurawitzki and Jin Zhao

Der Band dokumentiert die Sektionen aus dem Bereich Literaturwissenschaften auf dem IVG-Kongress 2015. Er beginnt mit der Sektion «Experimentelle Gegenwartsliteratur». Darauf folgt die Sektion «Neue Realismen. Formen des Realismus in der Gegenwartsliteratur», bevor die Sektion «Ökologie und Umweltwandel in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur» dokumentiert wird. Die Sektion «Entwicklungstendenzen der deutschen Literatur nach 1989/90. Neueste deutschsprachige Literatur als Speicher zeitgenössischer Identitätsmodelle» beschließt den Band.

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Realismus und Fiktion in der Literatur und Ökonomie (Wilhelm Amann)

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Wilhelm Amann (Belval, Luxemburg)

Realismus und Fiktion in der Literatur und Ökonomie

Die Ausgangs-Hypothese der folgenden Überlegungen lässt sich überspitzt in eine Gleichung pressen: Je fiktionaler die Ökonomie, desto besser sind die Aussichten für einen Realismus in der Literatur oder allgemeiner: für einen kulturellen Realismus, wie er beispielsweise im Jahr 2005 in einer Sondernummer der Zeitschrift „Merkur“ unter dem Titel „Wirklichkeit! Wege in die Realität“ ausgerufen worden ist.1

Mit ‚Fiktionalisierung von Ökonomie’ sind die mittlerweile lebensweltlich erfahrbar Folgen eines Paradigmenwechsels in den Vorstellungen über Ökonomie gemeint, der in der Wirtschaftstheorie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vollzogen wurde: Weg von einer klassischen Arbeitswerttheorie (Karl Marx), hin zur Geld- und Preistheorie (J. M. Keynes).2

Ökonomische Analysen sind seitdem auf Begriffe von Zeit, Kredit und Zins fokussiert; methodisch versucht man mit Hilfe von Modellen die Preise auf dem Markt zu beschreiben und vorherzusagen. Kulturtheoretisch kann man diesen Prozess der Fiktionalisierung von Ökonomie als Destabilisierung der Referentialitätsansprüche von Zeichen – in diesem Fall von Geldzeichen – fassen. In der Ökonomik hat sich dieser Prozess bis heute durch die hochgerüsteten mathematisch-stochastischen Verfahren und die Eigendynamik ihrer informationstechnologischen Apparaturen noch einmal beschleunigt.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung ist zunächst auf die höchst ambivalente Beziehung der Literaturtheorie der Moderne und den von ihr protegierten Avantgardebewegungen gegenüber dem Komplex ‚Ökonomie’ hinzuweisen. Indem die Avantgarden von Dadaismus bis Surrealismus in ihren Aktionen und im Medium der Schrift...

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