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Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 - Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 10

Series:

Jianhua Zhu, Michael Szurawitzki and Jin Zhao

Der Band dokumentiert die Sektionen aus dem Bereich Literaturwissenschaften auf dem IVG-Kongress 2015. Er beginnt mit der Sektion «Experimentelle Gegenwartsliteratur». Darauf folgt die Sektion «Neue Realismen. Formen des Realismus in der Gegenwartsliteratur», bevor die Sektion «Ökologie und Umweltwandel in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur» dokumentiert wird. Die Sektion «Entwicklungstendenzen der deutschen Literatur nach 1989/90. Neueste deutschsprachige Literatur als Speicher zeitgenössischer Identitätsmodelle» beschließt den Band.

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Zur ästhetischen Dimension des Realismus (Georg Mein)

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Georg Mein (Belval, Luxemburg)

Zur ästhetischen Dimension des Realismus

2011 hat Maxim Biller in der FAZ die Ichzeit als neue Epochenkategorie ausgerufen.1 Folgt man seiner Argumentation, so zeichne sich die Literatur der letzten 25 Jahre durch eine erfrischend narzisstische Schreibweise aus, die antiideologisch bis ins hermeneutische Mark sei. Die hohle Herrschaft der literarischen Post- und Pseudo-Avantgardisten sei damit endlich beendet – und mit ihr offensichtlich auch das ganze Getue um Form und Ästhetik. Trotz solcher Sirenenrufe kann man die Frage nach dem Ästhetischen nicht gänzlich ausblenden – und dies gilt auch und vor allem mit Blick auf Formen des Realismus in der Gegenwartsliteratur. Ausgehend von Georg Lukács Theorie des Romans wird im Folgenden der Versuch unternommen, die Selbstreflexivität der Form als ästhetisches Kriterium des modernen Romans zu bestimmen.2

Die Theorie des Romans beginnt mit einem geschichtsphilosophischen Blick auf die mythische Welt der Griechen – eine Welt, in der nach Lukács Überzeugung noch Seele und Tat, Sollen und Sein, Wesen und Leben durch einen dem Leben immanenten Sinn nahtlos kongruieren. Dem gegenüber klaffe in der entzauberten Wirklichkeit des modernen Menschen zwischen Ich und Welt, Erkennen und Tun, Seele und Gebilde ein unüberbrückbarer Abgrund. Die moderne Welt erscheine im Gegensatz zur griechischen zwar unendlich groß und „reicher an Geschenken und Gefahren“. Doch basiere diese Ausdehnung, diese (Über-)Fülle nur auf der Segmentierung der vormals ganzheitlich erfahrbaren Wirklichkeit. Die moderne Vielzahl an Einzelerscheinungen lasse sich schlichtweg nicht mehr in eine homogene Gesamtdeutung...

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