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Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 - Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 10

Series:

Jianhua Zhu, Michael Szurawitzki and Jin Zhao

Der Band dokumentiert die Sektionen aus dem Bereich Literaturwissenschaften auf dem IVG-Kongress 2015. Er beginnt mit der Sektion «Experimentelle Gegenwartsliteratur». Darauf folgt die Sektion «Neue Realismen. Formen des Realismus in der Gegenwartsliteratur», bevor die Sektion «Ökologie und Umweltwandel in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur» dokumentiert wird. Die Sektion «Entwicklungstendenzen der deutschen Literatur nach 1989/90. Neueste deutschsprachige Literatur als Speicher zeitgenössischer Identitätsmodelle» beschließt den Band.

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Autofiktionales Erzählen als Replik auf den (Spät-)Realismus? Zu Lange-Müllers Die Letzten (Natalie Moser)

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Natalie Moser (Berlin, Deutschland)

Autofiktionales Erzählen als Replik auf den (Spät-)Realismus?Zu Lange-Müllers Die Letzten

In einem Interview hält die Berliner Schriftstellerin Katja Lange-Müller Folgendes fest: „Ich behaupte im Moment, dass ich mein Leben so ziemlich abgegrast habe, und freu mich schon auf die totale Fiction“.1 Die retrospektiv als partielle und ‚autobiographische‘ Fiktion charakterisierte Erzählweise wird nachfolgend anhand einer exemplarischen Erzählung und im Hinblick auf die These einer Renaissance des Realismus analysiert.

1. Autofiktion und Realitätseffekte

Die parallel verlaufende Hochkonjunktur des realistischen und autobiographischen Erzählens gegen Ende des 20. Jahrhunderts wirft die Frage auf, worin die Gemeinsamkeiten der beiden Erzählweisen bestehen. Denn ihr Verhältnis ist insofern ein problematisches, als die Bezugnahme auf das eigene Leben nicht nur für eine Objektivität im Sinne einer privilegierten Zeugenschaft steht, sondern auch für eine Subjektivität, da diese Zeugenschaft nicht teilbar ist.2 Lange-Müllers Prosa beschreitet einen Mittelweg zwischen einem Erzählen, welches entlang von historischen Daten in realistischer Manier Zeitgeschichte narrativiert und jenem, welches sich in autobiographischer Manier an persönlichen Erlebnissen orientiert. Dieses ‚autofiktionale‘ Erzählen, so die These, macht die Kategorien Realismus und Autobiographie nun selbst zum Thema.3 Während Lange-Müllers Protagonistinnen zahlreiche Merkmale wie die Linkshändigkeit, die Ausbildung zur Setzerin und den Lebensraum mit der Autorin teilen, sucht←143 | 144→ man in den Texten zum Beispiel vergeblich nach Hinweisen zu Lange-Müllers Mutter, die...

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