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Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 - Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 10

Series:

Jianhua Zhu, Michael Szurawitzki and Jin Zhao

Der Band dokumentiert die Sektionen aus dem Bereich Literaturwissenschaften auf dem IVG-Kongress 2015. Er beginnt mit der Sektion «Experimentelle Gegenwartsliteratur». Darauf folgt die Sektion «Neue Realismen. Formen des Realismus in der Gegenwartsliteratur», bevor die Sektion «Ökologie und Umweltwandel in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur» dokumentiert wird. Die Sektion «Entwicklungstendenzen der deutschen Literatur nach 1989/90. Neueste deutschsprachige Literatur als Speicher zeitgenössischer Identitätsmodelle» beschließt den Band.

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Multi- und polyperspektivisches Erzählen in der Gegenwartsliteratur am Beispiel von Eva Menasses Quasikristalle (Alexandra Tischel)

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Alexandra Tischel (Stuttgart, Deutschland)

Multi- und polyperspektivisches Erzählen in der Gegenwartsliteratur am Beispiel von Eva Menasses Quasikristalle

In den letzten Jahren sind im deutschsprachigen Raum auffällig viele multiperspektivisch erzählte Romane erschienen, z. B. von Autoren wie John von Düffel, Arno Geiger, Anna Katharina Hahn, Harriet Köhler oder Eugen Ruge, die an das angloamerikanische Vorbild etwa Jonathan Franzens oder Zadie Smiths anschließen. Im vorliegenden Kontext ist dieses Phänomen von besonderem Interesse, weil es zunächst einmal in Spannung zu dem für die Literatur der Gegenwart ebenfalls postulierten ‚Neuen Realismus‘ zu stehen scheint. Im Folgenden wird am Beispiel von Eva Menasses Roman Quasikristalle1 diskutiert, inwiefern man diese Form des Erzählens dennoch für einen ‚neuen‘ Realismus reklamieren kann.

1. Im Spannungsfeld von Realismus und Multi- bzw. Polyperspektivismus

Versucht man, realistisches Erzählen epochenübergreifend und jenseits konkreter Beispiele zu definieren, so wird man wohl am besten von einer Schreibweise sprechen, die auf Realitätssimulation abstellt, d. h. zum einen Realitätseffekte und Referenzillusionen befördert und zum anderen ihren Zeichencharakter, ihre Fiktionalität und insgesamt ihre Künstlichkeit verschleiert.2 In Abwandlung einer Formulierung von Gérard Genette könnte man realistische Texte als Literatur ersten Grades bezeichnen,3 eine Literatur also, die sich nicht auf Literatur, sondern auf ‚Welt‘ bezieht. Ihr zentraler Referenzbereich wäre, mit Gerhard Plumpe gesprochen, die Umwelt-, nicht die Selbstreferenz,4 es ginge ihr um mimetisches←173 | 174→ und nicht fiktionsbetontes...

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